Bei den von Karl S. Guthke und Manfred Windfuhr mit Nachworten versehenen Reclam-Ausgaben von "Der Hofmeister" und "Die Soldaten" vermißt man einen hilfreichen Apparat mit Erläuterungen.

Das gilt auch für den von Richard Daunicht besorgten Rowohlt-Band, dessen Auswahl außerdem nicht so recht einleuchten will: Für Seminar und Schule wären bestimmt die "Anmerkungen übers Theater" (zusammen mit "Über Götz von Berlichingen", "Rezension des Neuen Menoza" oder "Versuch über das erste Prinzipium der Moral") zweckdienlicher gewesen als die "Meinungen eines Laien".

Von den großen Ausgaben lassen sich also, um die Summe zu ziehen, der Textgestalt, der Art der Bearbeitung und Kommentierung nach beide mit unerheblichen Abstrichen empfehlen, wobei sich der Fachmann wohl besser an. die Edition von Richard Daunicht hält, die mit ihren vier Bänden endlich das Gesamtwerk von Lenz, zumindest was davon bis heute bekannt ist, überschaubar machen wird.

Als populäre Ausgabe vermag jedoch die bei Goverts erschienene Sammlung von "Werken und Schriften" selbst höheren Ansprüchen zu genügen.

Für eine neue Beschäftigung mit dem Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz sind also nun. die Voraussetzungen geschaffen – denn die "Zeit ist. gekommen"; wie Hans Mayer in seinem kenntnisreichen "Nachwort" zur Goverts-Ausgabe ausführt, "hinter der angeblich nutzlosen Geschäftigkeit die wirklichen Absichten des Schriftstellers und Gesellschaftsreformers Lenz zu suchen". Man könnte nun in der Tat damit beginnen, Werk und Leben dieser vermeintlichen "Composition von Genie und Kindheit" auch einmal aus dem zeitgeschichtlichen Kontext zu interpretieren.