Aus der Moskauer Rede von Michail Suslow, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der KPdSU, zum 53. Jahrestag der Oktoberrevolution:

"Die KPdSU und die Sowjetregierung unternehmen alle Anstrengungen, um die zwischenstaatlichen Beziehungen zur Volksrepublik China normal zu gestalten und die Freundschaft zu dem großen chinesischen Volk zu entwickeln. Zwar können die Verhandlungen, die zu diesem Zweck in Peking geführt werden, nicht als leicht angesehen werden, jedoch ist zu hoffen, daß letzten Endes Lösungen gefunden werden, die den Interessen der beiden Seiten auf lange Sicht entsprechen.

‚Wir sind uns dessen vollauf bewußt‘, sagte der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Leonid Breschnjew, in seiner Rede in Kasachstan, ‚daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China den Interessen unserer beiden Länder, den Interessen des Weltsystems des Sozialismus und der revolutionären Befreiungsbewegung aller unterdrückten Völker, den Interessen der Festigung des Weltfriedens entspricht.‘ Selbstverständlich haben wir unsere marxistisch-leninistischen Positionen in ideologischen Fragen verteidigt und werden das auch künftig tun...

Hervorgehoben werden muß die Bedeutung des im August dieses Jahres zwischen der UdSSR und BRD abgeschlossenen Vertrages. Dieser Vertrag legt den Grundstein für eine Wende zum Besseren in den sowjetisch-westdeutschen Beziehungen. Der Vertrag verankert die Unverletzbarkeit der in Europa bestehenden Grenzen, darunter der Oder-Neiße-Linie, die die Westgrenze der Volksrepublik Polen bildet, und der Grenze zwischen der BRD und der Deutschen Demokratischen Republik, und dient zugleich der Gesundung der allgemeinen Situation in Europa, Eben deshalb steht der Vertrag nach wie vor im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Dabei wird der sowjetisch-westdeutsche Vertrag von der überwältigenden Mehrheit der Politiker unterschiedlicher Orientierung gebilligt.

Natürlich wird der Vertrag erst dann in vollem Maße seine Rolle spielen, wenn er in Kraft getreten ist. Um diese Frage ist in der BRD ein harter Kampf entbrannt.

In diesem Zusammenhang kann man sagen, daß es in der Vergangenheit wiederholt Versuche gegeben hat, herangereiften historischen Prozessen zuwiderzuhandeln. Die Geschichte hat solche Versuche jedoch unerbittlich beiseite geschoben und sich nach ihren eigenen Gesetzen entwickelt. Auch heute kann es nicht anders sein..."