In München ging am Montag die 15. Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse zu Ende – offensichtlich mit überdurchschnittlichem Erfolg: über 500 000 Besucher, gute Umsätze und rege Beteiligung ausländischer Interessenten. Schon nach vier Tagen Messe schien der Erfolg sicher. Von 66 Händlern bezeichneten 44 ihre Umsätze als sehr gut oder gut. Nur fünf Händler waren unzufrieden, während 20 von besseren Umsätzen als im Vorjahr berichteten.

Auf der Antiquitätenmesse in Hannover-Herrenhausen war die Kaufkraft der Kunden bei teuren Objekten durch die schwache Verfassung der in- und ausländischen Börsen und die angespannte Lage am einheimischen Geldmarkt merklich gehemmt. Auch die Westdeutsche Kunstmesse stand unter dem Eindruck fallender Aktienkurse, Kreditverteuerung und Skepsis über die Konjunkturentwicklung. In München belastete die ungewisse Konjunkturlage das psychologische Messeklima so gut wie gar nicht.

Eine verstärkte Bereitschaft, anlagesichere und noch preisgünstige Objekte zu erwerben, wurde in München deutlich. Das demonstrierte auch der gute bis sehr gute Verkauf von qualitätsvollen Bildern, ausgewähltem Silber und erlesenen Möbeln. Bei der Käuferauswahl waren Seltenheit und künstlerische Qualität maßgebend. Für die Spitzenobjekte alter Kunst prophezeien die Haussiers auf den internationalen Kunstmärkten, daß der Aufwärtstrend der Preise weiter anhält.

In der Galerie Griebert wurden für eine von Pechstein gemalte Landschaft um die 40 000 Mark gezahlt. In derselben Galerie wurden für Hofers "Dolly Sisters" etwa 30 000 Mark ausgegeben. Die beiden bei Xaver Schweidwimmer angebotenen Hochformate des Dresdner Rokoko-Hofmalers Dietricy, eine vornehme Gesellschaft darstellend, wechselten den Besitzer zu je 45 000 Mark das Stück. Rund 100 000 Mark nahm die Galerie Carroll für eine von Dubois signierte. Kommode (mit Blumenintarsien und originalen Bronzebeschlägen). Das Haus Bernheimer setzte zum Preise von etwa 125 000 Mark eine in Tournai um 1520 angefertigte Tapisserie mit Wappenmedaillons ab. Aus dem hervorragenden Silbersortiment von Dr. Seling, F. K. A. Huelsmann, Ritter, Mischell, Heinz-Arnold und Sude waren schnell die interessantesten Objekte verkauft.

Das Prunkstück der diesjährigen Messe war ein Porträt des Königs Echnaton (Ägypten, 18. Dynastie, Amarnazeit, um 1365 v. Chr.), für das eine Summe von über 600 000 Mark (Antiken-Herzer) gefordert wurde. Interesse zeigte neben Museen auch ein Privatsammler.

Auffallend war das steigende Interesse für altes Glas und auch Renaissancemöbel. Auf beiden Gebieten macht sich zur Zeit eine Marktbewegung deutlich, die auf eine kommende Preissteigerung hinweist. Festzustellen bleibt noch, daß die Preise für Spitzenqualität aus den verschiedenen Spezialgebieten im Vergleich zu den beiden anderen Messen des Jahres um durchschnittlich 10 bis 20 Prozent gestiegen sind. Die Preise der mittleren Ware bei Bildern, Möbeln und Kunstgewerbe haben sich gehalten.

Nach Abschluß der Messetage von München werden sich jene Aussteller, die alle drei deutschen Kunst- und Antiquitätenmessen besucht haben, fragen müssen, inwieweit eine Teilnahme an allen Veranstaltungen wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine private Erfolgs- oder Verlustrechnung der Handelshäuser könnte Aufschluß geben.

Bislang aber wehren sich noch viele der Antiquitätenhändler – ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den Galerien moderner Kunst – gegen eine Markttransparenz ihrer Branche. Fälschlicherweise renommiert der Handel mit älter Kunst immer noch mit dem Hinweis, eine "Geheimwirtschaft" zu betreiben – Umsatz und genaue Preise werden nach wie vor nicht publiziert.

Doch die Antiquare würden nur im eigenen Interesse handeln – das machen die verstärkten Bemühungen von Publikationsorganen wie Börsen-, Wirtschaftszeitungen und Investmentzeitschriften, den Kunstmarkt als Wirtschaftskomplex ernst zu nehmen, deutlich –, wenn sie Daten und Normen publizierten, die der Erfassung des Kunstmarktes dienlich sind.

Das Image der Münchner Messe hat sich in diesem Jahr verbessert. Der bäuerliche Hausrat, das einstige Lokalkolorit also, ist im Gesamtbild der Messe nun in den Hintergrund geraten. Durch eine geschickte Raumverteilung im Hauptsaal, welche die Placierung so renommierter Händler wie Dr. Seling, Herzer, Neuhaus und Julius Böhler erst ermöglichte, ist der Gesamteindruck wesentlich verbessert worden. Im übrigen war das Angebot der mittleren Ware besser sortiert als in den Jahren zuvor, so daß sich auch die Substanz der Kunstmesse von München verbessert hat. Klaus-Hartmut Olbricht