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Über Karl Schillers Außenseiter, den praxisnahen Diplomvolkswirt Karl Otto Pöhl, früher Journalist a. beim "Volkswirt", dann beim "Bundesverband der deutschen Banken", sind Veränderangsgerüchte Umlauf. Er wird ab; Nachfolger von Ministerialdirektor Herbert Ehrenberg genannt, der Brandts wirtschaftspolitischer Berater ist und irgendwann Staatssekretär bei Arbeitsminister Arendt werden will, wenn der bisherige Staatssekretär Walter Auerbach ausscheidet. Pöhl meinte über die ihn betreffenden Gerüchte: "Das ist ja, alles höchst schmeichelhaft. Aber mit mir. hat noch niemand gesprochen, und ich habe auch kein Angebot."

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Vorerst hat Pöhl noch eine Menge anderer Arbeit. Er hat seine Abteilung völlig umorganisiert. Der neue Name seiner Abteilung lautet jetzt: Strukturpolitik für kleine und mittlere Unternehmen, Handwerk und Absatzwirtschaft, Produktionssteigerung, Forschung, Entwicklung und Berufsbildung. Die Berufsbildung ist neu hinzugekommen und füllt eine eigene Unterabteilung aus. Pöhl reagierte damit auf Rügen der Wirtschaft, die Berufsbildung werde allzu einseitig vom Arbeits- und Sozialministerium behandelt. Schiller ließ Pöhl gewähren, um zu zeigen, daß sich das Wirtschaftsministerium künftig verstärkt den Aspekten der Berufsbildung widmen will.

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Wohnungsbauminister Lauritz Lauritzen ist sichtlich enttäuscht, daß ihm mangelnder Arbeitseifer nachgesagt wird. Sein Pressereferent Hans-Peter Jochimsen schrieb der ZEIT: "Bundesminister Dr. Lauritzen ist zwar ein passionierter Naturfreund und Waidmann, hat aber wie jeder Politiker in Bonn höchst selten Zeit, sein Steckenpferd zu reiten. Sein Amtseifer zeigt sich in den immer deutlicher werdenden Erfolgen seiner Politik, die nur Ignoranten bestreiten können." Es handele sich bei dem Getratsche um das "offenkundige Geschwätz eines Verärgerten".

Wolf gang Hoffmann