Abgeordnete des Verteidigungsausschusses im Bonner Bundestag kehrten mit gemischten Gefühlen aus Amerika zurück: Der Besuch bei der US-Flugzeugfirma McDonnell war nicht ganz problemlos gewesen. Zwar hatte die Firma den deutschen Parlamentariern die Information über die amerikanische Luftwaffenindustrie leicht gemacht, die Entscheidung zum Kauf eines neuen Flugzeuges konnte sie den Abgeordneten nicht recht schmackhaft machen.

Dennoch spricht manches dafür, daß Bonn sich bald für die Beschaffung der von McDonnell entwickelten Ergänzungsversion der Phantom RF-4-E entscheiden könnte. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine leichtere, einsitzige Version der Phantom, die auf Grund ihrer höheren Geschwindigkeit und höheren Steigfähigkeit als Luftüberlegenheits-Jäger eingesetzt werden soll.

Die Gründe, die für eine Entscheidung zugunsten der Amerikaner sprechen könnten, sind vielfältig. Da das deutschbritische Gemeinschaftsprojekt, das in der Entwicklung befindliche Kampfflugzeug "Panavia 200", frühestens 1978 eingesetzt werden kann, braucht die Luftwaffe eine Art Lückenfüller, zumal das Starfighter-Soll bis 1978 weiter absinken wird. Überdies werden von der Panavia nicht wie ursprünglich 600 Stück, sondern nur rund 400 gebaut.

Die Beschaffung dieses Lückenfüllers könnte mit dazu beitragen, die deutsche Position bei den Verhandlungen um einen Devisenausgleich für die amerikanischen Truppenstationierungen in der Bundesrepublik zu erleichtern. Bekanntlich fordern die Amerikaner mehrere Milliarden Mark und nach Möglichkeit in bar. Dafür aber hat Bonns Finanzminister kein Geld.

Unklar sind indessen noch zwei Dinge: einmal, ob die Amerikaner den Preis von rund 14 Millionen Mark pro Flugzeug auch wirklich einhalten können, und zum zweiten, ob ein Lizenznachbau in der deutschen Industrie angestrebt werden soll. Dies würde die Kosten nämlich weiter in die Höhe schrauben. Japan zum Beispiel entschied sich für den Lizenzbau und muß 40 Prozent des Stückpreises allein für die Lizenzen bezahlen.

Unabhängig van den Lizenzgebühren wird von einigen Abgeordneten bezweifelt, ob die deutsche Industrie so "wirtschaftlich" bauen werde, daß unnötige Kosten vermieden werden. Als die deutsche Industrie sich zum Beispiel im Zusammenhang mit der bereits erfolgten Bestellung von 88 Flugzeugen der RF-4-E-Phantom-Version um Kompensationsaufträge bemühte, kam sie aus Preisgründen nicht zum Zuge.

Bei der internationalen Ausschreibung für Bauteile des neuen Jumbo-Jets wurden die Deutschen aus dem Rennen geworfen, weil ihre Preisangebote um 70 Prozent über den Angeboten der Engländer und Franzosen lagen. So zumindest wußte ein SPD-Abgeordneter zu berichten, der meinte: "In der deutschen Flugzeugindustrie gibt es kein Kostendenken, sondern nur ein Kostenerstattungsdenken. Und das wird auf die Dauer zu teuer."

Bei dem Wunsch der Amerikaner, Phantom-Ergänzungen in die Bundesrepublik zu liefern, könnte Verteidigungsminister Schmidt dennoch gewisse Bedenken kommen. McDonnell ließ nämlich durchblicken, man sei auch deshalb an dem Auftrag interessiert, weil dem Werk ab 1972 die Aufträge fehlten. Im Verteidigungsausschuß war daraufhin ein Spruch zu hören, der McDonnell gefährlich werden könnte: "Was geht uns die Auftragslage von McDonnell an." hff