Fabian weiß was von seinem Papa

In die Schule geh ich nicht gern. Da müssen wir immer so genau rechnen. Wenn ich an der Tafel stehe, sitzt Papa schon in seinem Verlag. Dort müssen sie jetzt auch alle ganz genau rechnen. In einem Verlag macht man Bücher. Aber Papa macht auch Bücher, wenn er zu Hause ist. Papa sagt, es gibt viele große Maschinen, die die Bücher verdrücken. Papa sagt, es heißt drucken. Wir haben nämlich einen ganz toll schlauen Papa. Weil die Maschinen so groß sind, haben sie viel Geld gekostet. Damit das Geld nicht weg ist, müssen sie Tag und Nacht arbeiten und Bücher verdrücken. Auch wenn wir alle schon schlafen. Und weil die Maschinen nicht stillstehen dürfen, deshalb macht Papa auch noch zu Hause Bücher. Ist gut. Zum Mittagessen gibt es schon wieder einen Schmarren.

Wir sollen auch ein Buch werden. Heute hat es bei uns immerfort geblitzt. Das war ein Blender. Es heißt aber Fotograf. Es ist ulkig, wenn Kinder ein Buch werden. Da stehen dann unsere Namen drin.

Jetzt redet der Clemens

Ist gar nicht wahr, daß ich jetzt rede. Es ist immer noch der Papa. Und er wird reden, bis das Buch aus ist. Deshalb ist er ja auch so toll schlau. Einmal sage ich, daß Papa nicht über mich schreiben soll. Dabei schreibt das Papa selbst. Das findet unser Papa ganz schrecklich lustig. Immerfort muß er was schreiben oder so. Uns allen ist das schon zuviel. Aber Papa hört nicht auf. Da fallen mir wieder die großen Maschinen ein, aber da soll ich nicht Scheißdreck zu sagen. Heute hat uns Papa gesagt, daß Germamist falsch ist. Wir müssen Germanist sagen. Ein Germanist ist ein Mann, der die deutschen Bücher gelernt hat. Manche sagen aber, die Leute sollen Bücher schreiben, die schreiben können. Nicht die, die lesen können. Papa schimpft eine Menge auf diese Leute. Ich kriege ein Eis am Stiel und lecke es ab. Ein abgeleckter Stil heißt Lektorenstil.

Papa freut sich sehr, daß er ein Buch über uns macht. Er kann viele große Kinderfotos reintun. Ist gut. Alle Leute sehen gern Kinderfotos. Da braucht er, nicht soviel schreiben. Papa sagt, es ist schön, wenn die anderen Leute sehen, daß wir eine ganz richtige Familie sind, mit einer Mama und vielen Kindern.

"Spiele", Roman von Gwen Davis. "Wenn jemand sagt, daß dieses Buch Pornographie sei, so irrt der Betreffende", sagte die Autorin. Allzu viele werden sich nicht irren. Mitnichten liest sich, wie die Klappe mutmaßt, nach diesem Wälzer "alles andere ... wie ein Weihnachtsmärchen". Louise Felder, Klatschspaltenkolumnistin und Hauptfigur, möchte die Theorie durch die Praxis untermauern und arbeitet sich, wie man zu sagen pflegt, im Jet-Set hoch. Sie erlebt ein paar heiße Sachen, von der Art, wie man sie sonst in Bestsellern liest, und findet – wer wollte es schöner sagen als die "Besprechungsunterlage" – "am Ende des Buches... zu ihrer eigentlichen großen Liebe, einem zwar sehr reichen, aber sensiblen und an dem Gesellschaftsrummel gar nicht interessierten jungen Mann; er vermag die in allen Punkten trotz der vielfachen Frivolitäten sympathisch geschilderte Louise von ihrer Frigidität zu heilen". Möglicherweise möchte daraufhin jemand das Buch kaufen. Louises Werdegang ist eingebettet in die Beschreibung vieler reicher Fernseh-, Film-, Automobil-, Kunst- und anderer Produzenten. Sie alle treiben makabre Spielchen (siehe Titel) und erfreuen mit einem Humor, der sich etwa auf folgendem Niveau bewegt: sagt er "wir haben nicht mal ein Bett übrig",sagt sie, "ich rufe bei Hertz an und leih mir eins". Hinter der dünnen Fassade der Kritik sitzen dick das selbstgefällige Wohlgefallen an der schönen Perversität und ein exhibitionistisches Bescheidwissen. Das atemlose Geplauder der zum langen Satz tendierenden Autorin wird leider nicht jeden ermüden und nicht jeden deprimieren. (C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh; 640 S., 25,– DM)

Christel Buschmann