Mit großer Bestürzung und Erschütterung wurde die Nachricht vom Tode General Charles de Gaulles in der ganzen Welt aufgenommen. Der General war am Montagabend, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, auf seinem Landsitz in Colombey-les-deux-Eglises an den Folgen eines Pulsadergeschwulst-Risses gestorben.

Charles de Gaulle, Gründer der Fünften Republik, war von 1958 bis 1969 französischer Staatspräsident. Am 28. April 1969 trat er zurück, da die von ihm mit der Vertrauensfrage verbundene Volksabstimmung über die Regionalreform und die Abschaffung des Senates nicht die notwendige Mehrheit erbrachte.

In Kondolenztelegrammen aus aller Welt wird de Gaulle einmütig als eine der beherrschenden Erscheinungen der Nachkriegspolitik gewürdigt. Etwa achtzig politische Persönlichkeiten, darunter der amerikanische Präsident Nixon, der sowjetische Ministerpräsident Kossygin, der britische Premierminister Heath, werden am Donnerstag an dem in der Pariser Kathedrale Notre-Dame stattfindenden Requiem teilnehmen.

Zur gleichen Zeit wird de Gaulle, der in einem handschriftlich angefertigten Dokument ein Staatsbegräbnis abgelehnt hatte, in aller Stille im Familiengrab in Colombey beigesetzt.

Bundespräsident Heinemann, der mit Bundeskanzler Brandt an den offiziellen Trauerfeierlichkeiten teilnimmt, erklärte, Frankreich verliere mit de Gaulle "einen seiner größten Söhne, Deutschland den Mann, der mit Konrad Adenauer die deutsch-französische Aussöhnung besiegelte".