Paul Flora: "Die verwurzelten Tiroler und ihre bösen Feinde." Wer glaubt, die Tiroler seien nur lustig, wird hier enttäuscht. Sie sind hagere, düstere Gestalten, die mit Spinnenhänden und verzückten Gesichtern sich auf die Eindringlinge stürzen, sie erwürgen, erschlagen, fesseln und hinmetzeln oder sie als stolze Beute in Vogelkäfigen auf dem Rücken forttragen. Paul Flora, selber Tiroler, allerdings ohne Lederhose und Pfeife, dafür aber Professor und österreichischer Verdienstorden-Träger, der von der Hungerburg über Innsbruck aus für die ZEIT allwöchentlich das Geschehen in der Welt kommentiert, nahm sich die Helden seiner Geschichte vor, die wackeren Bauern, die Anfang des neunzehnten Jahrhunderts mit Andreas Hofer und Peter Haspinger an der Spitze den Aufstand gegen die bayerischen Besatzer wagten. Auf rund 50 großformatigen Blättern hielt er die Revolte fest. Die Bayern aus Bierkrügen steigend, die Tiroler und ihre Ziegen, Kühe und Frauen in den Bergen wurzelnd. Der Tourist, der in Seefeld oder St. Anton Skifahren lernen will, wird nach der Flora-Geschichtsschau seinen Skilehrer mit anderen Augen sehen – leicht schaudernd und fürchtend, daß dieser, seinen Vorfahren gleich, auf ihn mit Stöcken und Brettern einschlagen könnte. (Klub der Bibliomanen, Diogenes Verlag, Zürich; 50 S., 39,– DM.)

Ben Witter: "Nebbich – Löcher im Lachen." Ben Witter nennt seine skurrilen Grotesken, die in ihrer Eigenart kaum zu definieren sind: "Nebbich." Sie erschienen in der ZEIT. Nicht Aphorismen, Reflexionen, Anekdoten! sondern Witz – und doch alles zugleich. Ben Witter nimmt die Sprache beim Wort, um die Absurdität der Welt, aber auch den Sinn im scheinbaren Unsinn unseres Verhaltens aufzudecken. Horst Janssen wollte Zeichnungen dazu machen. Er wurde krank und bat Pit Morell, für ihn einzuspringen. (Langen Müller Verlag, München; 80 S., Abb., 6,80 DM.)