In mancher Hinsicht wirkt der "New Look" Pekings noch sprunghaft, unrealistisch und allzusehr auf reine Störeffekte bedacht. Scheinbar skrupellos und systemlos stehen Bekenntnisse zur kriegerischen Revolutionsstrategie neben versöhnlich klingenden Koexistenzparolen. Ungeachtet der dominierend antisowjetischen Stoßrichtung der chinesischen Außenpolitik in Asien und Osteuropa hat Peking dem Kreml in einem Glückwunschtelegramm zum 53. Jahrestag der Oktoberrevolution die Herstellung "freundschaftlicher und gutnachbarlicher Beziehungen" vorgeschlagen. In Paris lassen chinesische Diplomaten vernehmen, daß die Vereinigten Staaten "nicht der wirkliche Feind" des Mao-Regimes seien; gleichzeitig läßt sich ein maoistischer Spitzenfunktionär gegenüber dem Vorsitzenden der britisch-chinesischen Wirtschaftskommission haßerfüllt über den für Peking "unakzeptablen gegenwärtigen Chef des Weißen Hauses" aus.

Das Widersprüchliche und Unlogische solchen Verhaltens klärt und entwirrt sich bei der Lektüre von Maos "Rotem Büchlein". Für den "Kampf gegen die Feinde" verkündet der große Vorsitzende dort: "Strategisch müssen wir alle Feinde geringschätzen, taktisch aber müssen wir sie ernst nehmen ... Im Krieg kann nur eine Schlacht nach der andern ausgefochten, und die Feinde können nur einer nach dem anderen vernichtet werden ... Mit dem Essen verhält es sich ebenso. Konkret gesehen schlucken wir einen Happen nach dem anderen. Man kann nicht ein ganzes Festessen, auf einmal: verschlingen. Das heißt eben: eins nach dem andern erledigen. In der militärwissenschaftlichen Literatur nennt man das: den Feind einzeln schlagen."

Pekings Griff in die Tasten der großen Weltpolitik mag überraschen und verwirren. Ernst nehmen aber muß man ihn.