In Begleitung des bundesdeutschen Fußballpädagogen Heinz Marotzke, der seit drei Jahren als Fußballexperte im Rahmen der Entwicklungshilfe in afrikanischen Staaten weilt, hielt sich der Präsident des Afrikanischen Sportrates, Abraham Ordia, mehrere Wochen in der Bundesrepublik auf. Die "Sport-Entwicklungshilfe" der Bundesrepublik für die afrikanischen Staaten stand im Mittelpunkt seiner Gespräche. Gegenwärtig finanziert der Bund elf Sportpädagogen, die vorwiegend in afrikanischen Staaten tätig sind. Kosten pro Trainer aus der Bundesrepublik im Jahr: 50 000 bis 70 000 Mark. Bonn plant eine erhebliche Ausweitung seiner Zusammenarbeit im Sport mit den afro-asiatischen und lateinamerikanischen Staaten. Vor allem die DDR entwickelte über die Deutsche Hochschule für Körperkultur in Leipzig ein gezieltes Auslandsprogramm. Bisher haben fast 700 Sportstudenten aus Afrika, Asien und Lateinamerika ihr Diplom an der DHfK der DDR erworben. Auch ein Stück Außenpolitik für die DDR.

Ernst Dieter Schmickler nahm die Gelegenheit wahr und sprach mit Abraham Ordia.

Herr Ordia, mit welcher Aufgabe sind Sie nach Europa gekommen

Ich bin auf Einladung von Willi Daume, Präsident des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 1972, in der Bundesrepublik, um zu studieren, wie Olympische Spiele organisiert werden. Ich möchte auch einen Gesamteindruck über die Organisation des Sports in der Bundesrepublik bekommen. Für mich hat dieser Besuch eine große Bedeutung insofern, als mein Heimatland Nigeria 1973 die Pan-Afrikanischen Spiele organisiert. Ich habe mich beim Olympischen Komitee informiert, ich bin durch das Land gereist und war besonders tief beeindruckt von den Sportstätten, die ich hier vorgefunden habe.

Sie haben in München Gespräche mit dem Präsidenten des Olympischen Organisationskomitees, Willi Daume, geführt. Wie ist Ihr Eindruck von dem Stand der Vorbereitungen in München?

Abgesehen von den Gesprächen, die ich mit Präsident Daume hatte, war ich überrascht von der Zusammenarbeit der verschiedenen Untergruppen, die zum Gelingen dieser Spiele beitragen sollen. Jeder einzelne von ihnen schien mir ein Experte auf diesem Gebiet zu sein, es hat mich sehr beeindruckt. Ganz im Gegensatz zu früheren Olympischen Spielen habe ich den Eindruck gewonnen, daß München eben im Zeitplan wahrscheinlich schon etwas weiter ist, als es in den früheren Olympischen Spielen der Fall war. Wo immer ich hinkam, fand ich, daß im voraus geplant wurde. Sei es nun, was den Fackellauf betrifft, was den Eintrittskartenverkauf oder die Architektur des Stadions angeht.

1973 finden in Nigeria die "Afrikanischen Spiele" statt. Der afrikanische Sport erwartet offenbar für die Ausrichtung dieser Spiele wirkungsvolle Hilfen aus Europa.