Von Wanda Bronska-Pampuch

Der russische Geograph Michailow stellt seine Heimat vor:

"Sowjetunion", hrsg. von Nikolaj N. Michailow; aus dem Russischen von Wolfram Bacher; 2 Bde.; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 19 70; 1 Kartentasche im Schuber, 940 S., 1534 Abbildungen, davon 597 farbig, 96 Karten und Pläne; beide Bände 240,– DM; bis 31.12.1970 Subskriptionspreis 198,– DM.

Rußland endet nicht am Ural (und heißt auch nicht "Rußland", sondern "Sowjetunion") – theoretisch weiß man das natürlich. Aber was ist hinter dem Ural? Sibirien: nicht nur Eis und Schnee, nicht nur riesige Ströme und Goldvorkommen – gehört hat man davon. Wie es im einzelnen aussieht, wie viele verschiedene Nationalitäten, autonome Gebiete, Städte und Industriegiganten es dort gibt, ist eine der großen Entdeckungen, die dem Leser des Standardwerkes "Sowjetunion" bevorstehen.

Die andere, überraschendere Entdeckung heißt: "Ferner Osten" (der Sowjetunion) – "Dalnyj Wostok", das Land hinter Sibirien. Es beginnt am Amur und reicht bis nach Kamtschatka und zu den Kurilen, einer Inselkette im Pazifik, die aus Vulkanen besteht und wo jeden dritten Tag die Erde bebt, "eine rauhe aber unvergleichlich schone Gegend", wie Nikolaj Michailow schreibt.

Drei Millionen Quadratkilometer, also fast halb so groß wie der europäische Teil der Sowjetunion, hat der sowjetische Ferne Osten jedoch nur 4,5 Millionen Einwohner. Diese Unterentwicklung ist eins der wichtigsten Probleme für die Sowjets. Westliche Korrespondenten haben nur selten Gelegenheit, dort Erkundungsfahrten zu unternehmen oder gar zu photographieren. Michailows Bericht und die Aufnahmen in den Städten Komsomolsk, Wladiwostok, Nachodka oder Magadan faszinieren daher doppelt. Wußten Sie, daß sich der Sowjetbürger in idyllischen Badeorten am Stillen Ozean erholen kann? Daß es in Süd-Sachalinsk eine Touristenbasis gibt, mit grünem Spitzendach und inmitten bewaldeter Höhen?

Das Mädchen im blauen Badeanzug, das am Strand des Ochotskischen Meeres kniet und der Sonne die Arme entgegenstreckt, kann kein Bad in den fischhaltigen Fluten dieses Meeres nehmen – wärmer als drei bis vier Grad wird es dort auch im Hochsommer nicht; Aber das hat der Autor auch nicht behauptet, er wollte nur sagen: Wir sind auch dort!