Ich verachte niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder wegen seiner Bildung, weil es in niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden – weil wir durch gleiche Umstände wohl alle gleich würden und weil die Umstände außer uns liegen. Georg Büchner

Lady Macbeth nackt

Die vielbeschworene "Polarisierung" der Gesellschaft macht vor der Kunst nicht halt. Im Film exhibiert sie sich seit langem: hier Wirtin, Pauker, Porno, da Guerilla-Kampf. Kolossale Kostüm-Schinken sind die große Mode. Am Gegenpol waren bisher Hamlet im Frack und Macbeth im Straßenanzug aufgetreten. Kenneth Tynan (Text) und Roman Polanski (Regie) sind da konsequenter. Für 3,6 Millionen Dollar drehen sie einen Macbeth-Film, in dem nicht nur die Hexen nackt auftreten – was vertretbar erscheint, denn die Frage der Hexenmode ist ja in der Tat noch nicht zuverlässig geklärt, und Kennern der Walpurgisnacht erscheint Nacktheit als ein durchaus angemessenes Hexenkostüm. Nackt auftreten jedoch soll bei Polanski/Tynan auch die Lady Macbeth, die damit zur unerwarteten Konkurrentin der einzigen englischen Lady wird, die je kleiderlos an die Öffentlichkeit trat. Sie hieß Lady Godiva und ritt nackt durch die Straßen von Canterbury.

WC-Architektur

Eine Bildungsveranstaltung nicht alltäglicher Art bietet das Londoner Reisebüro "See Britain" an. Interessenten englischer Architektur werden durch 32 öffentliche Toiletten geführt, die ihrer stilistischen Eigenart wegen Interesse verdienen. Darunter befinden sich die Standestoiletten jeweils für Anwälte, Richter und Schreiber im Gerichtsgebäude von Lincoln’s Inn. Hingewiesen wird besonders auf die Einrichtungen im Savoy-Hotel (außerordentliche Eleganz), auf dem Trafalgar Square (zeitgenössische Baukunst in Stahl und Glas), im Bahnhof Charing Cross (Neoklassizismus). Ein Irrtum entstand bei der ersten dieser Besichtigungsfahrten unter zwei deutschen Teilnehmern; sie hatten an Stelle von public lavatories öffentliche Laboratorien erwartet.

Preis für Kricke

Eine aus neun Mitgliedern bestehende internationale Jury erkannte den mit 20 000 Mark dotierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis, der alle fünf Jahre von der Stadt Duisburg für das Gesamtwerk eines herausragenden lebenden Bildhauers verliehen wird, dem Düsseldorfer Metallplastiker Norbert Kricke zu. Die Übergabe des Preises erfolgt am 4. Januar zum Gedenken an den 90. Geburtstag Wilhelm Lehmbrucks.