Am Tegernsee soll eine Diagnoseklinik gebaut werden. Das will jedenfalls der Förderkreis Diagnosehilfe und ärztliche Fortbildung, indem sich Mediziner, Juristen, Kommunalbeamte sowie zwei "einschlägige" Industriebetriebe zusammengeschlossen, haben. Um den Plan zur Errichtung einer Klinik verwirklichen zu können, bemüht sich die Mediterra Besitzgesellschaft für die Diagnoseklinik am Tegernsee mbH & Co Kommanditgesellschaft, Bad Wiessee/Tegernsee, um 22,5 Millionen Mark, die jetzt gezeichnet werden sollen. Die Zeichnungsbeträge der Anleger setzen sich zu einem Drittel aus einer Kommanditbeteiligung und zu zwei Dritteln aus einem Gesellschafterdarlehen zusammen. Das Darlehen ist unverzinslich.

Die Mediterra soll das für die Diagnoseklinik am Tegernsee erforderliche Grundstück für 6,9 Millionen Mark (zusätzlich Erschließungskosten) erwerben und errichtet darauf die Klinik-Gebäude und verpachtet sie langfristig an die Diagnoseklinik am Tegernsee, Forschungs- und Fortbildungs-Zentrum AG als Betriebsgesellschaft. Der jährliche Pacht- bzw. Mietzins wird so berechnet, daß nach Inbetriebnahme der Klinik hieraus eine jährliche Rendite von mindestens 5 Prozent des Nennbetrages der Kommanditgesellschaft möglich ist.

Das Zeichnungsangebot soll ausdrücklich nicht als Emission von Abschreibungszertifikaten verstanden werden. Mit Ausnahme von Teilinvestitionen für eine anzubauende Kinderklinik stehen nur die normalen Abschreibungen zur Verfügung. Im übrigen – so wird in dem Zeichnungsangebot festgestellt – führen die Abschreibungen wie auch die sonstigen Betriebsausgaben der Gesellschaft dazu, daß der Kommanditist nach Inbetriebnahme der Klinik während der ersten zwölf Bewirtschaftungsjahre – wenn überhaupt – nur mit einer geringfügigen Steuerbelastung des jeweiligen Jahresergebnisses zu rechnen braucht.

Wer hoch in der Einkommensteuerprogression liegt, kann unter Umständen die Kommanditbeteiligung aus jenen steuerlichen Vorteilen finanzieren, die sich durch die jährlich zuzuweisenden Buchverluste ergeben.

Aber was ist mit dem zinslosen Darlehen? Hier fängt die Sache an, problematisch zu werden. Der Anreiz zur Hergabe dieses zinslosen Darlehens soll in dem Recht bestehen, dieses im Verhältnis 1:1 in Aktien der Diagnoseklinik umwandeln zu können. Das Aktienkapital der Diagnoseklinik ist auf 20 Millionen Mark veranschlagt worden. 15 Millionen Mark können über die Gesellschafterdarlehen gezeichnet werden. Die verbleibenden 5 Millionen sind offenbar für die Initiatoren und Freunde des Wiessee-Projektes gedacht.

In der Rentabilitätsvorausschau für die neue Klinik scheint man sich weitgehend auf die Ergebnisse der Deutschen Klinik für Diagnostik AG in Wiesbaden zu stützen, wobei offen zugegeben wird, daß die Verhältnisse in der Wiessee-Klinik ungünstiger liegen werden. Denn die Wiesbadener "Mayo-Klinik" braucht nur ein Aktienkapital von 6 Millionen Mark zu verzinsen und arbeitet dazu noch mit einer öffentlichen Bürgschaft über 8 Millionen Mark. Mit einer solchen Bürgschaft für ihr 75-Millionen-Projekt kann die Klinik in Wiessee offenbar nicht rechnen.

"Um das höhere Kapital", so steht es in dem Angebot, "angemessen verzinsen zu können, wird die Diagnoseklinik am Tegernsee einen wirtschaftlich zweiten Fuß und eine weitere Ertragsquelle haben: das Zentrum für medizinische Kongresse und ärztliche Fortbildung. Vorgesehen ist, daß die Gewinne aus der Kongreßtätigkeit, soweit sie nicht zur Ausschüttung einer angemessenen Dividende und zur Bildung von Rücklagen verwendet werden, der Stiftung für Zuschüsse an die Diagnoseklinik zur Aufnahme von Sozialpatienten – vor allem in der Kinderklinik – zur Verfügung stehen sollen."