Die Emotionen, die in der jüngsten Agrardebatte des Deutschen Bundestages deutlich geworden sind, haben das Ende dieser Debatte überdauert. Gewiß liegt das nicht nur daran, daß diese Debatte – sie ging auf eine Große Anfrage der Opposition zur Lage der deutschen Landwirtschaft zurück – in die Zeit des bayrischen Landtagswahlkampfes fiel.

Was die Redner der Opposition als Spitze gegen den bayrischen Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl (FDP) gedacht hatten, erwies sich nach Ansicht von Beobachtern alsbald als Bumerang. Die deutsche Agrarpolitik sei ökonomisch motiviert, meinte die Opposition. Sie mißachte bäuerliche Tradition und den Hang der Landwirte zu ihrer Scholle.

Welche anderen als ökonomische Gesichtspunkte indes die Agrarpolitik bestimmen und dabei die deutsche Landwirtschaft aus ihrer langwährenden Krise herausführen sollten, haben die aufgebrachten Redner, vor allem der CSU, freilich nicht dargelegt. Im regionalen Entwicklungsprogramm der Bundesregierung – es soll vor allem Arbeitsplätze in Agrargebieten schaffen – ein "Ausrottungsprogramm" zu sehen, andererseits aber die schlechte Einkommenslage der zu zahlreichen Bauern zu beklagen: an diesem Widerspruch scheinen die Sprecher der Opposition festhalten zu wollen.

Unbestritten war in der Debatte dies: die Einkommensentwicklung der in der Landwirtschaft Beschäftigten hält mit der der übrigen Bevölkerungsgruppen nicht Schritt – trotz der beiden letzten guten Ernten. Andererseits hatten die Landwirte auch nicht unter den konjunkturellen Dämpfungsmaßnahmen zu leiden:

  • Als Entgeld für Aufwertungsverluste erhalten die Landwirte bis 1973 jährlich 1,7 Milliarden Mark.
  • Der Agraretat ist von den Kürzungen des Bundeshaushalts 1970 unberührt geblieben.
  • Agrar-Investitionen sind von der Aussetzung der degressiven Abschreibung nicht betroffen.
  • Vom Konjunkturzuschlag zur Einkommensteuer von insgesamt 5,2 Milliarden Mark bringen die Bauern ganze 0,3 Prozent auf – was indes wiederum mit ihren geringen Einkommen zu tun hat.

Zugleich mit der Begründung, die Bauern litten am stärksten unter den Folgen der Inflation, wies Schiller auch die Forderung des Bauernverbandes zurück, die Agrarpreise um mindestens zehn Prozent zu erhöhen. Ein solcher Schritt verteuere die allgemeine Lebenshaltung um weitere drei Prozent und ziehe auch andere Preise nach oben.

Bauernverbands-Präsident von Heereman, der der CDU angehört, hatte am Vortag diese Preiserhöhung gefordert. Zugleich hatte er der Bundesregierung offenmütig ein wichtiges Argument für die Plenardebatte geliefert: "Wir wissen, daß Fehler und Versäumnisse in der Vergangenheit sich heute auswirken."

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