Wer unzufrieden ist, geht demonstrieren: In der vergangenen Woche waren es in Hamburg die Ingenieure und in München die Lehrer. Den Ingenieuren geht es um bessere Bezahlung der Kollegen im öffentlichen Dienst – wie es heißt, sollen die Gehälter junger graduierter Ingenieure im Staatsdienst mit den Einkommen von Putzfrauen vergleichbar sein. Den Lehrern geht es um die Berufsehre – sie protestieren gegen die vorgeschlagene Einführung des Ein-Fach-Lehrers an Gymnasien. In den Augen der Planer ist der Einspurpauker allerdings ein "Kolumbus-Ei": Weil er nur sechs Semester studieren muß, hofft man schnell viel Nachwuchs zu bekommen.

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Klaus von Dohnanyi, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, referierte in Bonn über die Notwendigkeit, die Berufsausbildung neu zu gestalten. Es war ein schönes Referat: Berufsausbildung wird ... zu einem Teil des gesamtgesellschaftlich verantworteten Bildungswesens. Noch schöner wäre es, wenn sich Bonn von der Vielfalt der klugen Erkenntnisse zu Taten hinreißen ließe. Eine Tat hat Arbeitsminister Walter Arendt vor: Mit einem Ideenwettbewerb soll herausgefunden werden, wie den Behinderten in Beruf und Gesellschaft geholfen werden kann. Es winken Preise im Wert von 30 000 Mark. Dem Wettbewerb ist allerdings die Bundesanstalt für Arbeit zuvorgekommen – mit einer Broschüre: "Information zur beruflichen Rehabilitation". Da gibt es auf 32 Seiten Rat und Hilfe für Behinderte.

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Die "Job"-Zeitpersonal-Vermittlung der Arbeitsämter feierte den ersten Jahrestag mit einer Erfolgsbilanz: Bei den jetzt 33 Vermittlungsstellen gingen 60 000 Nachfragen nach Zeitarbeit und 51 500 entsprechende Stellenangebote ein. Die Sache, so versprach die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, soll weiter ausgebaut werden. Mit weniger großen Zahlen, trotzdem aber mit viel Erfolg, arbeitete auch die Manager-Vermittlung der Bundesanstalt für Arbeit. Zur Zeit suchen 400 Spitzenkräfte über das Manager-Arbeitsamt in Frankfurt einen neuen Job. Das entspricht einem Marktanteil am Manager-Markt von etwa 20 Prozent.

Einer unter deutschen Arbeitgebern offensichtlich weitverbreiteten Unsitte soll zu Leibe gerückt werden: Wer Ausländer illegal, das heißt ohne Arbeitserlaubnis, beschäftigt, muß mit Geldstrafen von 3000 Mark und mehr rechnen. Die Aktion wird – wenn sie überhaupt Erfolg bringt – die Ausländer am härtesten treffen. Man schätzt, daß in Deutschland 40 000 bis 80 000 Ausländer ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt sind.