Wie viele Opfer hat es bei der bengalischen Flutkatastrophe gegeben? Die Zahlenangaben schwanken zwischen 50 000 und 500 000. Genau weiß es noch niemand – und darin läßt sich der Umfang der Katastrophe am ehesten ermessen. Selbst in einer Weltgegend, in der Tragödien an der Tagesordnung sind, übersteigt das Maß des Schreckens alles Übliche.

Ostpakistan wird seit langem von Überschwemmungen heimgesucht. Im vergangenen Jahr gab es 300 000 Obdachlose; im Juli dieses Jahres wurden sechs Dörfer hinweggespült; im August schwoll die Zahl derer, die von der Flut in Mitleidenschaft gezogen wurden, auf zwei Millionen an. Präsident Yaya Khan vertagte aus diesem Grunde die ursprünglich für den 5. Oktober angesetzten Parlamentswahlen, die das Land wieder auf den Weg zur Parlamentsherrschaft zurückbringen sollte, auf den 7. Dezember. Werden die Wahlen nun aufs neue verschoben?

Es wäre ein Jammer. Die Militärherrschaft hat gerade für Ostpakistan wenig Gutes bewirkt. Das galt vor allem in den Jahren Ayubs. Der sinnlose, bizarre Feldzug gegen Indien im Jahre 1965 verschlang mehr Geld, als die Eindeichung des Ganges-Deltas gekostet hätte; Pläne für solchen Küstenschutz gibt es seit langem. Die jüngste Tragödie unterstreicht, daß hier etwas getan werden muß. Politiker, die sich der Reform verschrieben haben, könnten das Werk vorantreiben.

Die Welt kann helfen und hilft auch, die dringendste Not zu lindern. Die Hauptaufgabe jedoch fällt auf Pakistan selbst: die Katastrophenküste dauerhaft zu sichern; Ostpakistan am Fortschritt teilnehmen zu lassen; seine Menschen dem tödlichen Fatalismus zu entreißen. Th. S.