Als Indonesiens Ex-Staatschef, der inzwischen verstorbene Präsident Sukarno, von seinen Nachfolger Suharto im Handstreich gestürzt wurde, mußten die Finanzminister reicher Industrieländer, in Ost und West tief in die Tasche greifen. Sukarno hatte die Staatsfinanzen derart verrotten lassen, daß Suharto ausländischen Gläubigern gegenüber eine Art Offenbarungseid leisten mußte. Er konnte nämlich nicht nur gewährte Darlehen nicht zurückzahlen, er war auch nicht in der Lage, gelieferte Waren zu bezahlen.

Die Folgen für den Bonner Finanzminister waren nicht eben erfreulich. Weil die Schulden (400 Millionen Handelsschulden und 125 Millionen Kapitalhilfeschulden) der Indonesier auf 30 Jahre umgeschuldet würden, mußte Bonn rund 200 Millionen Markszusätzlich aus der Staatskasse zahlen. Wäre die Bundesregierung nicht eingesprungen, dann hätten deutsche Kaufleute und Unternehmer ebenso wie Bankiers das Nachsehen gehabt und ihre Lieferungen – Waren oder Kredite – auf / die Verlustliste setzen können.

Obgleich der Schaden hoch ist, erfolgte die Sanierung der indonesischen Staatsfinanzen keineswegs auf Kosten der Steuerzahler. Denn bisher hat sich die staatliche Absicherung der mit Exporten ins Ausland nun einmal verbundenen Risiken noch immer als ein Geschäft für den Bund erwiesen.

Die Versicherung von Exportrisiken durch den Staat ist nicht neu. Es gab sie vor dem Zweiten Weltkrieg, und nach Kriegsende wurde sie im vereinigten Wirtschaftsgebiet der drei Westzonen bereits 1949 wieder eingeführt. Grund dieser staatlichen Hilfe für private Unternehmer war der Wunsch, den Export der deutschen Wirtschaft zu fördern.

Das System der sogenannten Hermes-Exportversicherung funktioniert so: Exporteure von Waren, Geld oder deutschen Kapitalanlagen erhalten vom Bund Ausfuhrgarantien und Bundesbürgschaften für den Fall, daß ihr Geschäft auf Grund unvorhersehbarer Risiken scheitern sollte. Die Risiken können sowohl rein wirtschaftlicher (Zahlungsunfähigkeit des Kunden) als auch politischer Art (Krieg, Enteignung und Kapital-Transferstop) sein.

Bei wirtschaftlichen Risiken übernehmen die Exporteure 20 Prozent ihres Geschäftsvolumens selbst, den Rest trägt der Bund. Bei politischen Risiken liegt der Anteil der Selbstbeteiligung am potentiellen Verlust sogar nur bei zehn Prozent.

Umsonst gewährt der Bund seine Bürgschaften und Garantien allerdings nicht. Exporteure, die eine Deckung oder Sicherung ihres Auslandsgeschäfts durch den Bund begehren, müssen sogenannte Grund- und Zeitentgelte an die Staatskasse abführen. Auf diese Weise hat Bonn seit 1951 rund drei Milliarden Mark kassiert, während die Ausgaben für eingetretene Schäden und Verwaltungsaufgaben der Hermes-Versicherung sich auf 2,6 Milliarden Mark beliefen.