Von Hans Otto Eglau

Wir wollen zu einem echten Margarine-Markt kommen, das wird für Unilever keine reine Freude werden", verkündete Kurt Blankenburg, Geschäftsführer der Duisburger Margarine-Fabrik Schmitz & Loh (Marken: "Diamant", "Eden").

Paroli bieten will Blankenburg dem Hamburger Fettgiganten im Verein mit zwei anderen Firmen der Branche: den Vereinigten Margarine-Werken in Nürnberg und der Firma Fritz Homann in Dissen im Teutoburger Wald. Die drei Unternehmen, die bislang getrennt am Markt operierten, wollen in Zukunft ihren Vertrieb zusammenlegen und eine gemeinsame Marke gegen die führenden Unilever-Sorten "Rama" (Marktanteil: 35 Prozent), "Sanella", "SB" und "Flora" (jeweils etwa sieben Prozent) kreieren. Das Projekt soll unter der Regie einer von den drei Produzenten gegründeten Dachgesellschaft mit eigenem Management vorbereitet werden.

Die Sympathisanten sind sogar auf Folgen ihres Flirts gefaßt. Willy Salb, Geschäftsführer der Vereinigten Margarine-Werke: "Ich halte eine spätere Fusion für nicht ausgeschlossen."

Branchen-Insider wollen indes an eine Fremde des Margarine-Trios gegen den Unilever-Konzern nicht recht glauben. Denn der holländischbritische Lebensmittel-Trust ist seit Ende der zwanziger Jahre an allen drei Werken mit jeweils rund 50 Prozent beteiligt. Die im Hamburger Unilever-Hochhaus als "Halbschwestern" apostrophierten Firmen beziehen nicht nur ihre Rohstoffe aus den günstigen Einkaufsquellen des Konzerns, sondern führen regelmäßig erhebliche Lohnaufträge für den Marktführer aus. Keine der drei Halbschwestern, so argwöhnen Experten, könnte jemals eine Politik betreiben, die Unilevers Kreise stört.

Tatsächlich gibt es gute Gründe für die Annahme, daß die Konzern-Gewaltigen an der Elbe die Kooperation der drei kleineren Margarinewerke mit einer gewissen Genugtuung verfolgen. Denn seit Jahren steht die Unilever-Tochter Margarine-Union wegen ihrer dominierenden Marktposition unter kritischer Beobachtung des Bundeskartellamtes. Die Entstehung eines potenteren Unternehmens ohne äußerlich. sichtbaren Unilever-Einfluß könnte die Union-Manager in die Lage versetzen, der These von einer einseitigen Marktbeherrschung wirksamer entgegenzutreten.

Um den Makel des Monopolisten in Ludwig Erhards Marktwirtschaft loszuwerden, hatte der mächtige Margarineproduzent schon im Herbst 1949 gelobt, sich in der Bundesrepublik mit einem Anteil von 50 Prozent bescheiden zu wollen. Doch der Branchen-Riese hielt sich nur formell an sein Gelöbnis. Zwar stellt Unilever in seinen Fabriken Hamburg-Bahrenfeld, Berlin, Kleve und Mannheim nur 50 Prozent der in der Bundesrepublik produzierten Margarine (1970 voraussichtlich 535 000 Tonnen) her. Doch daneben läßt der Konzern bei einer großen Zahl kleinerer deutscher Margarine-Firmen noch einmal über 50 000 Tonnen jährlich im Lohnauftrag abpacken. Vor allem Unilevers Altmarke "Sanella" kommt vielfach nicht aus den Kesseln der Union-Fabriken, sondern aus den Bottichen kleiner Betriebe.