Die Hamburger Konzern-Chefs erreichen mit dieser Politik zweierlei: sie beugten einer Rebellion der zersplitterten Konkurrenten gegen den mächtigen Riesen vor, indem sie die konzernfreien Fabrikanten von sich abhängig machten. Tatsächlich können sich viele Branchen-Zwerge heute nur noch durch die Aufträge aus dem 14. Stockwerk des Hamburger Unilever-" Wolkenkratzers" über Wasser halten. Andererseits konnte der Marktführer damit nachweisen, von einem Vernichtungs-Wettbewerb weit entfernt zu sein.

Ihren tatsächlichen Marktanteil erhöhten die schlauen Margarine-Strategen durch dieses Manöver auf 60 Prozent. Zählt man – wie die Beamten im Bundeskartellamt – die Marktanteile der drei Halbschwestern noch dazu, dann sind es sogar 70 Prozent. Kartellamts-Experte Dr. Bernhard Griesbach: "Wir gehen davon aus, daß der Konzern in der Lage ist, störende Elemente der drei auf seine Marktpolitik zu verhindern."

Trotz dieser Erkenntnis trauen sich die Berliner Markthüter bisher nicht, die noch preisgebundenen Margarine-Marken der Union wegen fehlenden Preiswettbewerbs nach § 17(1) Kartellgesetz aufzuheben. Grund: Im Februar dieses Jahres wurde die Behörde in einem ähnlichen Fall vom Bundesgerichtshof zurückgepfiffen.

Das Kartellamt hatte die Preisbindung für Tennisbälle der Firma Dunlop (Marktanteil in diesem Bereich: 60 bis 70 Prozent) aufgehoben, nachdem sich die noch verbliebenen beiden Konkurrenten stillschweigend der Preispolitik des Marktführers angeschlossen hatten. Für die Aufhebung des Kartellamt-Beschlusses führten die Bundesrichter praxisferne Argumente und Gründe an: Wenn Dunlop auch Preisführerin auf dem deutschen Markt sei, so müßte sie doch damit rechnen, daß ihre Konkurrenten aus dem Preisgefüge ausbrechen würden, wenn sie sich davon einen Erfolg versprächen.

Im Gegensatz zu den beiden Tennisball-Konkurrenten von Dunlop sind die neben Unilever auf dem deutschen Margarine-Markt noch verbliebenen 33 Firmen kaum in der Lage, eine wirklich selbständige Politik zu betreiben. Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von gerade einem Prozent sind sie weder in der Lage, rationell Rohstoffe einzukaufen, für ihre Produkte zu werben, noch ihre Vertriebsorganisation optimal auszulasten. Preise wagen sie in der Regel erst zu erhöhen, wenn Unilever vorangegangen ist.

Um ihre Zersplitterung zu überwinden, unternahmen 13 kleinere Unternehmen vor Jahren den Versuch, ihre Vertriebsorganisation mit Hilfe eines Spezialisierungskartells zusammenzulegen und unwirtschaftliche Kapazitäten stillzulegen. Doch die emsigen Strukturreformer rannten sich bald in Streitigkeiten über Bewertungsfragen fest.

Einen anderen Weg gingen drei norddeutsche Produzenten unter Führung der Margarinefabrik Wagner in Hamburg. Sie entwickelten die gemeinsame Marke "1 A Sonnenblumen-Margarine", die sie nach einheitlicher Rezeptur getrennt abfüllen und nach einheitlicher Strategie vortreiben.