Karl Geldners neue Rolle

Ansbach

Zwei Männer von der Sicherungsgruppe Bonn blicken von außen in die Stube des Gasthofs "Zum Lamm" im Roßtal (Landkreis Fürth, Bayern). Drinnen sind Scheinwerfer aufgebaut. Ganz nah, hautnah, hält der Kameramann den Belichtungsmesser an das Gesicht Karl Geldners.

Seit genau 30 Stunden ist Karl Geldner eine Person von höchstem öffentlichen Interesse. Es gilt, das Gesicht des Mannes, auszuleuchten, der der Bayerischen CSU einen empfindlichen Schlag versetzt hat.

Hier im "Lamm" ist die erste Zwischenstation in einer der spektakulärsten Wahlkampfattacken, die in der Bundesrepublik geführt wurden. Und Karl. Geldner läßt keinen Zweifel daran, daß er von einer langen und gefahrvollen Expedition in diesen rauchigen, von Bierdunst erfüllten Saal, kaum 50 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt, zurückgekommen ist um zu kämpfen. Er ist entschlossen, 400 000 Mark, die er ausschlug, in politisches Kleingeld umzumünzen. Mit einem starken fränkischen Akzent bügelt der große kräftige Mann mit den vor Müdigkeit geröteten Augen die CSU-Kreis- und Gemeindepolitiker nieder, die zu dieser FDP-Wahlversammlung gekommen sind. Wütend hadern die Männer der Union vor ihren Biergläsern mit sich selbst. Die Go-go-Maid im strammen Pullover mit FDP-Aufdruck lächelt, der "Geldners Karl" kam als Star aus Bonn in seine Heimat zurück.

Am Fernschreiber im Fraktionszimmer der Bonner FDP verfolgte Geldner das Abbrennen der Lunte, die er gelegt hatte. Als der Knall bei der CSU-Pressekonferenz in Nürnberg erfolgte, reiste er nach Würzburg, sprach dort am späten Abend auf einer Wahlversammlung und fuhr in der Nacht über Ansbach, wo er jetzt wohnt, nach Garmisch-Partenkirchen. Dort sprach er auf der Zugspitze. Während den Pächtern seiner Bäckerei in Schillingsfürst angedroht wurde, man sprenge das Haus in die Luft, und seine Frau anonyme Anrufe entgegennehmen mußte ("Verräter", "Kommunistenschwein"), reist Geldner im Pkw zurück nach Mittelfranken, um termingerecht im Landkreis Fürth aufzutreten.