"Staatsmusik der Renaissance"; Capeila antiqua München, Leitung: Konrad Ruhland; Telefunken SAWT 95 61/62-B, 42,– DM.

Cosimo de’ Medici, seit 1537 Herrscher über Florenz, hatte zunächst Pech: Aus der beabsichtigten Heirat mit Margaretha, der Tochter Karls V., wurde nichts. Statt ihrer heiratete er am 29. Juni 1539 Eleonore, Tochter des Vizekönigs von Neapel. Was bei diesem mit Pomp gefeierten Fest musiziert wurde, ist erhalten; ein Teil davon, der Begrüßungschor "Ingredere felicessimis" des ansonsten nicht weiter bekannten Komponisten Francesco Corteccia, ist auf dieser Platte neben zweiundzwanzig anderen, zu ähnlich repräsentativen Festveranstaltungen verfaßten Musiken eingespielt.

Zwischen 1500 und 1580 etwa sind sie entstanden*. Staatsmusiken heißen sie, aber oft genug verwenden sie geistliche Texte, sind sie für... die Liturgie bestimmt: Weltliches hatte damals noch geistliche Nähe, und die Säkularisation war noch in einem anderen Stadium. Die gesellschaftliche Relevanz dieser damals hochmodernen Musik offenbart sich wesentlich leichter als die der heute aus dem politischen wie kirchlichen Raum ziemlich gleichermaßen konsequent herausgehaltenen Neuen Musik.

Konrad Ruhland und seine Münchner Capella antiqua reproduzieren diese Musiken in historischer Besetzungsstärke und auf alten Instrumenten – keiner der Komponisten wird sein Werk je so gut gehört haben. Über die saubere und gut geordnete Ausstellung dieses musikalischen Museums hinaus verdient die Textbeilage mit angemessenen Erläuterungen lobende Erwähnung; das Selbstverständliche ist in dieser Branche selten.

Heinz Josef Herbort