Neuheiten der Sportgeräteindustrie sind meist keine echten Novitäten mehr. Ihr Reiz liegt vorwiegend in der nervösen Erwartung, ob sie überhaupt zugelassen werden oder nicht. Und gerade in dieser Hinsicht herrscht absolute Unsicherheit. Allein die Leichtathleten könnten davon einige Lieder singen, denn der Held-Speer oder der Bürstenschuh empfingen nie den Segen der Verantwortlichen. Dagegen stießen der Glasfiberstab und die Kunststoffbahnen auf eindeutiges Wohlwollen.

Doch die unterschiedliche Behandlung der Erfindungen kann wahre Pioniere nicht zurückschrecken. Einer von ihnen meldet sich jetzt aus der Sowjetunion. Es ist der Boxtrainer Georgi Zibalov, der bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio noch als Punktrichter fungierte und jetzt als stolzer Erfinder eines neuen Boxhandschuhs von sich reden macht. Die Ostblockpresse bezeichnet Zibalovs Werk als Sensation.

Der neue Handschuh hat kein Extra-Außenteil für den Daumen. Er wurde aus einem Stück geschneidert und sieht wie ein Ballon aus. Im Hohlraum des äußerst elastischen Materials ordnen sich die Finger dicht nebeneinander an und können nicht locker gehalten werden. Die Faust wird zur geschlossenen Einheit. Dadurch wird die Möglichkeit einer, bei den Boxern so oft auftauchenden, Daumenverletzung völlig ausgeschlossen, denn er versteckt sich hinter den übrigen vier Fingern. So verringert sich auch die Verteidigungs- und Angriffsfläche. Ebenfalls neu ist, daß die gültige Schlagfläche in Weiß oder in einer Schockfarbe gehalten wird, um den Ring- und Punktrichtern die Beurteilung der gültigen und ungültigen Schläge zu erleichtern. Das Gewicht des neuen Handschuhs hängt vom Alter des Boxers ab und bewegt sich zwischen 200 und 270 Gramm.

Der Handschuh ohne Daumen verlangt keine neue Technik, dafür aber eine gesteigerte Kondition und Schnelligkeit.

Jevgenyi Ogurenkov, Dozent der Sporthochschule in Moskau, erklärte: "Mit diesen Handschuhen wird die Wucht und die Kraft der Schläge verringert. Gefährliche Verletzungen, sogar Todesfälle wären endgültig aus der Welt geschafft." Ob die Experten des Internationalen Fachverbandes diese Begeisterung teilen werden, bleibt abzuwarten. Stefan Lazar