Sollten Sie sehen:

"Der Wolfsjunge" und "Domicile conjugale", von François Truffaut. "Der Schlachter" und "Das Biest muß sterben", von Claude Chabrol. "Die Milchstraße" und "Tristana", von Luis Bunuel. "Die" Sanfte", von Robert Bresson. "Partner", "Der Konformist" und "Die Strategie der Spinne", von Bernardo Bertolucci. "Der Löwe hat sieben Köpfe", von Glauber Rocha. "Kämpfe in Italien" und "Ostwind", von Jean-Luc Godard. "Der Ritus" und "Eine Passion", von Ingmar Bergman. Diese Filme aus der jüngeren Produktion und einige andere mehr "sollten Sie sehen". Vor zwei, drei Jahren noch bekamen die entsprechenden Filme in unseren Kinos ihre Chance, das hat sich seither gründlich geändert. Daß das Fernsehen für ungewöhnliche Filme mehr zahlt, als deutsche Verleiher zahlen können, ist diesen zur bequemen Ausrede geworden. Das kulturelle Alibi, das die Filmwirtschaft früher selbst beizubringen gegenötigt war, bezieht sie heute von der Konkurrenz. Zudem beharren die Anstalten auf dem Erstaufführungsmonopol, das ihnen zugefallen ist: Das Fernsehen blockiert also neue Filme oft auf Jahre und verdirbt dann mit seinen unzureichenden Aufführungen die Rezeption. Daß eine Fernsehausstrahlung niemals Ersatz für Kinoaufführungen sein kann: das Bewußtsein davon zerstört das Fernsehen systematisch. Den Kinos verbleiben die Hollywoodfilme und der einheimische, von Staats wegen geförderte Schwachsinn. – Dies, damit Sie wissen, warum seit Wochen kein neuer Film mehr in die Kinos gekommen ist, den wir guten Gewissens empfehlen könnten.

Im Fernsehen: "Tote schlafen fest". (1946), von Howard Hawks, Bayern III am 20. November (Original mit Untertiteln). "Sullivans Reisen" (1941), von Preston Sturges, West III am 21. November (Original mit Untertiteln). "L’Amour fou" (1969), von Jacques Rivette, Südwest III am 21. November (Original mit Untertiteln). "Der Herbst der Familie Kohayagawa" (1961), von Yazujiro Ozu, Hessen III am 22. November. "Die Zwillinge und der Mörder" (1967), von Sacha Guitry, ZDF am 23. November. "Top Hat" (1935), von Mark Sandrich, Hessen III am 23. November (Original mit Untertiteln).

Wenn Sie nichts Besseres vorhaben:

"Götter der Pest", von Rainer Werner Fassbinder. "Der aus dem Regen kam", von René Clément. "Medium Cool", von Haskell Wexler.

Lohnt sich nicht:

"Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger", von Elio Petri. "Spezialpreis der Jury" in Cannes, "Bester italienischer Film des Jahres", "Preis der italienischen Filmkritik". Wem "Z" recht war, dem muß dieser Film billig sein. Die Satire aufs "Establishment" ist so plakativ wie diffus. Ein hoher Polizeibeamter (in der Verachtung der Flies vereinte schon "Z" alle Menschen guten Willens), Feind des Centro Sinistra und lüsterner Sadist, begeht einen Mord. Seine Kollegen weigern sich, seine Schuld zur Kenntnis zu nehmen, selbst dann noch, als er sie selbst bekennt. Der Schluß bleibt offen, jeder kann sich das Ende hinzudenken, das ihm zusagt. Auch der Held offenbart so viele Seiten, daß er jedem Vorurteil recht, gibt: dem reaktionären gegen die "Perversen" ebenso wie dem "fortschrittlichen" gegen die Polizei.