Von Werner Dolph

Deutschlands führender Spezialist für Polit-Happenings, seit dem Abtreten der Herren Teufel und Langhans, ist der Kölner Professor Rubin. Zu seinen Glanzleistungen rechnet das Open-air-happening, seine Requisiten reichen von der Lötlampe bis zum Vereinsregister. Der Mann ist Einzelgänger. Eine angebliche Bitte Mühlenhaupts um gemeinsames Auftreten lehnte er ab. Des Professors einstweilen letzte Darbietung von politischem Ulk ist die Mitbegründung eines "Freundeskreises CSU".

Der vorliegende Fall datiert vom 30. Mai 1968. An diesem Tag schlug Rubin wieder zu. Zum Anlaß eigener Aktion wählte er eine studentische Untat. Kölns Allgemeiner Studentenausschuß hatte zur letzten Lesung der Notstandsgesetze einen Vorlesungstreik beschlossen. In der Nacht vor dem Streiktag wurden einige Studenten noch einmal aktiv. Mit Balken, Bohlen und Brettern verbarrikadierten sie den Haupteingang der Universität. In strategisch wichtige Türschlösser gossen sie Blei. Zu guter Letzt malten sie rotfarbig und großlettrig über den Haupteingang traumhaft-poetisch die Worte "Rosa-Luxemburg-Universität". Zweifel in die Scherzhaftigkeit ihres Tuns schlossen sie damit von vornherein aus.

Am nächsten Vormittag versammelten sich auf dem Vorplatz der alten und neuen Universität einige hundert Studenten. Sie "ergingen sich", berichtet das Oberlandesgericht Köln, "in Diskussionen über das Tagesgeschehen". Weiter taten sie nichts. Dem Professor Rubin kam der schreckliche Vorgang beim Frühstück zu Ohren. Er entschloß sich sogleich zur rettenden Tat. Für Freiheit, Ehre und Vaterland erstand er flugs eine Lötlampe, wählte "alte Kleidungsstücke" zur Maskierung "und begab sich zur Universität". Hier angekommen, zündete er seine Lötlampe an, pirschte inkognito an die Barrikade heran und versuchte, sie zu entflammen. Über das Ergebnis des pyromanischen Unternehmens berichtet Kölns Oberlandesgericht: "Dieses Vorhaben mißlang."

Der Aktionist hatte sich vorher geschworen, er werde die Universität aus Ehrengründen nur durch den Haupteingang betreten. Diesen Schwur gab er nun auf und drang in die Stätte der Wissenschaft durch eine Hintertür. Vor der erstaunten Menge öffnete er wenig später ein Fenster, zündete hurtig seine Lötlampe an, langte behend ins Freie und versuchte, "das Holz der Barrikaden erneut in Brand zu setzen". Über das Ergebnis dieser Fortsetzung der Politik mit anderen. Mitteln berichtet das Kölner Oberlandesgericht: "Auch dieser Versuch schlug fehl, weil die Band" "Auch von höher gelegenen Stockwerken aus

unter Wasser gesetzt wurden."

Mittlerweile hatte Prominenz die Szene erreicht. Nordrhein-Westfalens Kultusminister, der Rektor, und einige Herren des Lehrkörpers "waren... im Hauptgebäude zusammengetreten". Sie wollten beraten, "welche Maßnahmen ergriffen werden sollten". Unser Happening-Mann, ob seiner Lumpenballkleidung mißtrauisch gemustert, wurde zur "Beratung hinzugebeten". Die Wissenschaftler durchdachten die Lage eingehend und beschlußlos. "Verschiedene Vorschläge wurden erörtert und wieder verworfen", informiert uns Kölns Oberlandesgericht. Immerhin erkannte "einer der anwesenden Professoren", worauf es in diesen Stunden vor allem ankam: "Die Inschrift ‚Rosa-Luxemburg-Universitat‘ (mußte) in irgendeiner Weise ausgelöscht" werden. Den Lötlampenmann überkam hier eine Erleuchtung. Er werde, überraschte er die Versammlung, "das Auslöschen auf seine eigene Kappe nehmen". Sodann verabschiedete er sich beim Rektor artig "mit Handschlag" und verließ die Mauern der Bildung.