Von Heinrich Kunz

Nicht umsonst sind die ersten Skifahrer im Berner Oberland gerade in dieser weiten Talmulde aufgetaucht und haben Grindelwald zu einem der renommiertesten Plätze für Wintersport gemacht. Vom tiefsten Punkt am Wildwasser der schwarzen Lütschine bis hinauf zu. den Gräten des Lauberhorns oder des Oberjochs liegt ein Höhenunterschied von fast 1500 Metern. Wer noch höher hinaus will, kann im wintersicheren Tunnel der Jungfraubahn auf die Höhe von 3454 Metern über Meer fahren.

Über die Klima- und Schneeverhältnisse steht in den "Stuttgarter geographischen Studien": "Das gegen rauhe Winde geschützte Tal hat im allgemeinen gemäßigte Temperaturen ... Der Nebelfreiheit, dem geeigneten Skigelände und der relativ hohen Schneesicherheit verdanken Grindelwald sowie die Höhenorte Wengen und Murren ihren Weltruf als Wintersportplätze Im zehnjährigen Mittel ist in 1570 Meter Höhe von Oktober bis Anfang Mai eine permanente Schneedecke zu finden."

Diese günstigen Schneeverhältnisse werden für den Wintersportler noch dadurch verbessert, daß die zwei Hauptgebiete entgegengesetzte Sonnenbestrahlung aufweisen: Das First-Skigebiet liegt in der Sonne, die Hänge von Männlichen und Kleiner Scheidegg sind im Schatten. Auf der Salzegg am Fuß der Eigernordwand kann man noch im Pulverschnee Bogen ziehen, wenn im Dorf bereits die Frühlingsblumen sprießen; in einer geschützten Mulde am Schilt jedoch kann man sich im Januar bereits braun rösten lassen.

Zur heutigen Grindelwaldner Winterausstattung gehören 22 Bahnen und Skilifte, drei Sprungschanzen, drei Eislaufplätze, Eisstockbahnen und Rodelabfahrten. Die Lifte befördern über 14 000 Personen in der Stunde. Die Wengernalpbahn (WAB), die von Grindelwald über die Kleine Scheidegg mit Anschluß an die Jungfraubahn nach Wengen und Lauterbrunnen fährt, hat schon zu Beginn des Jahrhunderts Skifahrer befördert; bis nach dem Krieg war sie ohne Konkurrenz. Dann wurde auf der anderen Talseite die längste Doppelsesselbahn Europas vom Dorfkern Grindelwald auf den First (2168 Meter) geführt. Von hier aus sind eine ganze Reihe von Skipisten erschlossen worden, gut markiert und sorgfältig unterhalten. Es sind mit einer Ausnahme (Direktpiste) alles leichte oder mittelschwere Abfahrten, die längste geht über acht Kilometer.

Die Scheideggseite ist hinter diesem Ausbau nicht zurückgeblieben. Vor einem Jahr ist hier ein "Skizirkus" vollendet worden: Zwischen Eigergletscher und Männlichen sorgen drei Sesselbahnen und sechs Skilifte auf maschinell präparierten Pisten dafür, daß Skifahrer bequem hin und zurück pendeln können. Dazu kommen die über elf Kilometer langen Abfahrten am Fuß der Eigerwand und vom Männlichen nach Grindelwald. – Ebenso zahlreich wie die Skigebiete sind die angebotenen Lift-Abonnements.

Tageskarten für die First- oder die Scheideggseite kosten 26 Franken. Es gibt auch Karten für drei Tage oder die, sehr, praktischen Punkteabonnements (geeignet für Familien). Ein neu geschaffenes (persönliches) Generalabonnement, für alle Skigebiete kostet 140 Franken für sieben Tage (Paßphotos mitbringen).