Von Otto F. Beer

Als im Laufe dieses "Steirischen Herbstes" auf einem Literatursymposion die großen, überzeitlichen Figuren des Abendlandes von bundesdeutschen und österreichischen Experten daraufhin abgeklopft wurden, ob sie noch überzeitlich und groß seien, schienen Odysseus und Till Eulenspiegel die muntersten Überlebenden zu sein. Während man ihnen nicht nur eine große literarische Gegenwart, sondern auch noch eine Zukunft konzedierte, schnitt Doktor Faust übel ab. Er mußte sich sagen lassen, daß er heute allenfalls noch als Superman in Comic-strips weiterlebe.

So schlimm aber, wie man in Graz annahm, steht es um den Alchimisten und Homunculus-Erzeuger keineswegs. Er hat neuerdings Sukkurs aus unerwarteter Richtung bekommen: von Lawrence Durrell.

Durrell nannte die beiden Bände seines bedeutendsten Werks seit dem Alexandria-Quartett einen "Doppeldecker". Die erste Seite des zweiten Bandes schließt zeitlich an die letzte des ersten an. Nichts also von der Rashomon-Technik, in der seinerzeit in den vier Bänden des Alexandria-Quartetts ein und dasselbe Geschehen von verschiedenen Blickpunkten her gespiegelt wurde. Nein, dieses ist die Geschichte eines ins elektronische Zeitalter verschlagenen Übermenschen, und "hier wird ein Mensch gemacht". Lawrence Durrells "Faust" also. Oder eher sein "Frankenstein"?

Das Wort des Petronius "am tunc aut nunquam" lieferte den Titel für:

Lawrence Durrell: "Tunc" und "Nunquam", aus dem Englischen von Susanne Lepsius; Rowohlt Verlag, Reinbek; 350 und 333 S., 22,–und 24,– DM.

Was in Durrells berühmter Tetralogie die hintergründige Stadt Alexandria war, ist diesmal Konstantinopel und "das Sumpf-Miasma von Byzanz". Hier hatte der alte Merlin, der quer durch die Levante mit allem und jedem handelte, jene Firma aufgebaut, die in der nächsten Generation zu einem wahren Monstrum anschwillt, einem Weltkonzern mit Sitz in London, der von Computern bis zu Büroklammern, von Heilmitteln bis zu Büchern alles herstellt, was sich in irgendeinem Teil der Welt an den Mann bringen läßt.