Von Nina Grunenberg

Nürnberg, im November

Kurz nach 13 Uhr am Freitag voriger Woche schellte im "Palisanderzimmer" des Nürnberger Grand-Hotels des Telephon: "Herr Mischnick ist am Apparat und möchte Herrn Minister Ertl sprechen."

Bis dahin hatten die zur FDP-Pressekonferenz eingeladenen Journalisten eher ratlos vor ihrem kalten Aufschnitt gesessen. Vor sich hatten sie drei Freie Demokraten: Josef Ertl, den von der Krankheit gezeichneten Minister, der seit Dietrich Bahners Austritt aus der Partei kommissarischer Vorsitzender der bayerischen FDP ist und an diesem Tag seinen ersten und letzten Besuch in Nürnberg vor den Wahlen absolvierte; Georg Letz, den FDP-Bezirksvorsitzenden von Mittelfranken, dessen Existenz den auswärtigen Beobachtern des FDP-Wahlkampfes bisher verborgen geblieben war und der jetzt nicht aufhören konnte, "diesen Kleinmut vor der Hessenwahl" zu geißeln; und endlich Hildegard Hamm-Brücher, die FDP-Spitzenkandidatin von Mittelfranken, die einzige, die die Wahl für die Liberalen gewinnen kann, aber offensichtlich von Josef Ertl nicht eingeladen und im Grand-Hotel nicht erwartet worden war. "Gnädige Frau", hatte er sie nur begrüßt und den Stuhl neben ihr für Georg Letz freigelassen.

Der Versuch der Journalisten, die Willenserklärungen dieser Drei auf einen klaren gemeinsamen Nenner zu bringen, war unbefriedigend verlaufen. Was würde die FDP tun, wenn sie. am Sonntag in Mittelfranken zehn Prozent der Wählerstimmen erhält? Daß sie Chancen hat, leugnet sogar Franz Josef Strauß’ Partei nicht mehr. Zitiert wird eine CSU-Umfrage, die der FDP elf Prozent in Mittelfranken gibt. Eine SPD-Umfrage von Anfang Oktober ergab angeblich 7,8 Prozent Wählerstimmen für die FDP – mit "steigender Tendenz". Würde Josef Ertl auch mit der CSU verhandeln, obwohl sie in diesem Wahlkampf immer wieder dazu aufgefordert hatte, am 22. November die FDP zu vernichten?

"Man kann sich nicht mit einem Mörder ins Koalitionsbett legen", sagt der Minister, aber eine endgültige Entscheidung könne die Partei erst nach der Wahl treffen.

Georg Letz möchte sich noch weniger festlegen, er für seine Person bleibt offen nach allen Seiten, den Rest besorgt die Partei.