Vor einigen Jahren hatten wir noch keinen Fernseher, und wir sehnten uns auch nicht danach. Abends hörten wir damals immer Radio, das wurde jedoch anders, als wir doch noch einen Fernsehapparat bekamen. Tagsüber steht das Gerät in der Ecke unseres kleinen Zimmers, aber abends schieben wir den Kasten in unser großes Wohnzimmer, da wir uns dort in die Sessel lümmeln können.

Meine Mutter liegt immer gemütlich auf dem Sofa, während mein Vater, meine beiden Schwestern und ich uns lieber auf den Sesseln breitmachen. Da wir nur drei Sessel haben, nehmen meine kleine Schwester Frauke und ich zusammen einen Sessel. Das hört sich furchtbar eng an, aber unsere Sessel sind bequem für uns zwei.

Kurz bevor das Abendprogramm beginnt, werden Getränke und Knabbersachen hereingeholt, die im Laufe des Abends langsam, aber sicher verschwinden. Vor dem Beginn gibt es oft sehr verschiedene Meinungen, über die Programmwahl. Der eine will den Krimi sehen, der andere den Film, und Frauke plärrt dazwischen, daß sie Zirkus sehen möchte. Aber da gibt es keine Diskussion: Vater bestimmt! Leider!

Ähnliche Streitereien um das Fernsehen haben wir oft, angefangen bei der Programmzeitschrift, die merkwürdigerweise bei uns die Schwindsucht hat und nach anstrengendem und verzweifeltem Suchen an den unmöglichsten Plätzen wiedergefunden wird. Auch die Auswahl der Sendungen bleibt umstritten.

Unser Fernseher wird am Sonntag manchmal bis zur Grenze der Strapazierfähigkeit gebracht, weil meine kleine Schwester fast ununterbrochen von zwei bis gegen sieben in die Röhre starrt.

Sind wir uns abends über das Programm endlich einig, ist es bei uns ungeheuer gemütlich. Kommt aber unsere Oma zu Besuch, gerät unsere schöne Ordnung durcheinander. Meine Großmutter kommentiert lautstark, und man selber bekommt fast nichts vom Film mit, da meine Großmutter schwerhörig ist und wir ihr andauernd die Handlung erklären müssen, obwohl wir den Apparat auf eine Lautstärke stellen, daß die Wände nur so wackeln.

Neulich sahen wir einen Bericht in einem Magazin, in dem die Mitglieder des Musicals "Hair" vorgestellt wurden. Als meine Oma die Mitwirkenden eine Weile betrachtet hatte, meinte sie, daß die jungen Leute bestimmt keine Kreislaufstörungen bei ihrem Gehopse bekommen werden. Meine Großmutter interessiert sich nicht so sehr für das Fernsehen, aber den "Goldenen Schuß", für den ich mich nicht begeistern kann, sah sie sich an. Ich habe die Sendung oben in meinem Zimmer gehört, so laut mußten meine Eltern den Apparat stellen.