"Der Apfel rötet sich in Eden", Roman von Sumner Locke Elliott. Nicht jeder Familienroman, den die Rowohlts zum Seiler bestimmen, ist durch und durch sonnig. Der Richter, den ein Fehlurteil so wurmt, daß er seinen Beruf aufgibt und fortan nur die Angehörigen behelligt, fügt einer ergebenen Frau und den drei Kindern manche seelische Entstellung zu. Sumner Locke Elliott ist ein entschlossener Erzähler mit Sinn für bösartige Festlichkeiten und verfahrene Dialoge. Der Roman enthält reizvolle Anmerkungen und glaubwürdige Kleintragödien. Er wäre noch gründlicher geglückt, wenn sich der Autor nicht manchmal von den Empfindungen, den Hoffnungen und den Enttäuschungen seiner Figuren zum eher blubberigen Sprechgesang hinreißen ließe. (Aus dem Englischen von Ulla Hengst; Rowohlt Verlag, Reinbek; 303 S., 18,50 DM) Christa Rotzoll

"Orpheus", fünf Erzählungen von Arno Schmidt. "Kühe in Halbtrauer" dividiert durch zwei ist gleich "Orpheus". Denn das Taschenbuch mit dem Titel "Orpheus" enthält fünf der zehn Erzählungen, die sich 1964 in dem nach der Titelerzählung benannten Band "Kühe in Halbtrauer" fanden. Die gewichtigste Geschichte in beiden Bänden, der Kurzroman "Caliban über Setebos", hat einen mythologischen Hintergrund, den Orpheus-Mythos nämlich, der von Schmidt säkularisiert und aktualisiert wird und ähnlich wie die Odysseus-Sage in Joyces "Ulysses" die antike Folie abgibt für ein profanes und diesseitiges Geschehen: Ein moderner Lyriker sucht in einem hinterwäldlerisch-unterweltlichen Dorf nach seiner einstigen Geliebten Fieterieke-Eurydike, findet sie auch, flieht aber ohne sie aus der diesigen Schattenwelt des Dorfes Schadewalde. Der besondere Reiz dieses Prosastücks (eines der intrikatesten, die Schmidt je geschrieben hat): die Hunderte von Anspielungen aufzuspüren, insbesondere die Anspielungen auf Orpheus-Dichtungen und Mythen von der Antike bis zur Gegenwart, die Schmidt in den Text hineingeheimnist hat. Weiter enthält der Band "Die Wasserstraße", ein wichtiges Präludium zu Schmidts Groß werk "Zettels Traum"; "Der Sonn’ entgegen", eine Erzählung mit einer komplizierten mathematischen Pointe; "Die Abenteuer der Sylvesternacht", eine Erzählung, deren Titel aufs verblüffendste dadurch düpiert wird, daß die Abenteuer der beiden Helden darin bestehen, ein Namensregister zu einem Heiligen-Lexikon aus Termingründen in der Neujahrsnacht fertigstellen zu müssen; sowie "Kundisches Geschirr", worin die – glasklare – Deutung eines Traumes als unübertreffliche erzähltechnische Pointe eingesetzt ist. Das hört sich alles kompliziert an? Es ist aber vergnüglich zu lesen, weil die Basis der Schmidtschen Wort- und Gedankenkapriolen immer ganz handfeste, uns allen bekannte Handlungen, Dinglichkeiten und Alltäglichkeiten sind. (Fischer Bücherei 1133, Frankfurt; 153 S., 2,80 DM) Jörg Drews

"Wörterbuch englischer und amerikanischer Ausdrücke in der deutschen Sprache", von Fritz und Ingeborg Neske. Die Verleger scheinen der Meinung zu sein, daß der Buchkonsument wissensdurstig ist und begierig, aus seiner (selbstverschuldeten?) Dummheit auszugehen. Anders ist der Wust an Nachschlagewerken nicht zu erklären. Und gerade ob dieses, Wustes ist das vorliegende Wörterbuch höchst redundant. Es verzeichnet "rund 3000 ... Ausdrücke aus über 70 Fach- und Sachbereichen", wobei feinsinnig unterschieden wird etwa zwischen "Militär" und "Waffe" oder "Fahrzeug", "Motor" und "Verkehr". Es mag noch der Absicht dieses Buches entsprechen, wenn unter dem Stichwort Yellow Fever" vermerkt ist: "Bezeichnung für eine

Infektionskrankheit"; das weitere aber sieht man besser im Pschyrembel oder einem anderen medizinischen Nachschlagewerk nach. Störend (und zudem unrichtig) auch der erhobene Zeigefinger: "Bei einem Blue Baby muß sofort eine totale Blutübertragung vorgenommen werden." Braucht man ein solches Wörterbuch, um zu erfahren, wie sehr die Pferde beim Polospiel strapaziert werden? Nett dagegen ist, bei Mixgetränken die Ingredienzien genau angegeben zu finden. Nett auch, daß "shit", mit "Scheiße" übersetzt, dem Fachbereich "Genußmittel" zugeordnetwird. Kiff dagegen fehlt; auch Pyjama, Picnic, Tory oder Lyons Club (der Rotary Club aber steht drin); und ohne Mühe lassen sich weitere Beispiele finden. Wo steht "Körry" so geschrieben außer in diesem Wörterbuch und vielleicht auf dem Preisschild eines Hintertupfinger Gemisch wärenhändlers? Diese 314 Seiten sind lohnenswert, allenfalls für die Autoren, wenn überhaupt für jemanden. Und vielleicht für Bibliomanen, die weitere anderthalb Zentimeter Buch besitzen wollen. Im übrigen: Prediger 12, 12, (du- 3033, Deutscher Taschenbuch Verlag, München; 314 S., 6,80 DM)

Godhard O. A. Tietze