Da lagen sie, die Spiele zu zweit – Spiele für Verliebte – Spiele für den neuen, großen kaufkräftigen, jungen Markt. Sie kamen, alle drei, doch wohl für unsereinen, zehn Jahre verheiratet, wie wir sind, nicht in Frage. Da mußte also schon ein junges, kaufkräftiges Paar vom neuen, großen Markt her. Und so gab ich einen Rezensionsauftrag an den Jüngsten unseres Spielerkreises weiter, auf daß er diese Liebesspiele mit seiner Holden erprobe.

Sehr bald hatte ich sie wieder und einen roten Kopf dazu. Er sei, meinte mein Versuchsstudent, für solche Spiele zu – jung. Sachlicher Haupteinwand: sie kämen für die einen zu spät, wirkten also albern, für die anderen zu früh, seien also peinlich. Das Stadium dazwischen, für das sie offenbar gemacht seien, gäbe es überhaupt nicht. Jedenfalls nicht mehr.

Dies durfte nicht ungeprüft bleiben. Und so spielte ich mit meiner Angetrauten, sicher diese Spiele mit Selbstironie, um unserem stark entwickelten Sinn für unfreiwilligen Humor Herr zu werden. Wir wurden es nicht.

Zunächst: Es sind neue Varianten von etwas recht Angegrautem, von Pfänderspielen; In allen dreien gibt es Karten, die bildlich und wörtlich Wünsche erfüllen helfen.

Im "Paradiesgärtlein", einer Abart des alten "Glückshaus" (bekannter unter "Das lustige Topfspiel"), entscheiden die Herzchen auf den Würfelchen, wie viele Äpfelchen auf Kärtchen in dem Gärtchen zu deponieren oder abzuholen sind. Ein Überhang an Gewinn erlaubt den Abruf eines Wunsches, der sich, der Höhe nach, steigert: Von Tanz mit mir ein zärtliches Tänzchen über Zeig mir die Milchstraße. Wenn der Himmel bedeckt ist, etwas anderes. Sei nicht kleinlich bis zur Krönung Ich wünsche mir das, Paradies auf Erden, nämlich ... Es folgen vier Leerzeilen zum Ausfüllen. Der ausschweifenden Phantasie sind, so die Spielregel, keine Grenzen gesetzt. Wer da wohl was hinschreiben mag? Nun, ich: "Ohrenschützer", und sie: "Eine Schaumrolle". Bis hierher haben wir jedenfalls noch herzlich gelacht.

Aber als nächstes machte uns "Schätzchen sei lieb" zur Auflage, diese Gartenlaubenfloskel beim Kassieren jedes Gewinns anzuwenden, den wir auf Memoirenweise mit Unterstützung des Truller-Kullers, einer Glücksrinne für zwei Kugeln, aus den aufgelegten Karten herausholen würden. So spielten wir halt munter vor uns hin und taten alles, um sie nur ja nicht zu gewinnen, jene Kartenpaare "Sag mir was Liebes...", Mit dieser Karte begibst Du Dich in meine Hände: Ich nutze das weidlich aus oder Schließ die Augen und warte, zu welcher Kühnheit ich mich hinreißen lasse ...

Ganz arg aber wurde es in "Verliebte Jagd". Ein aufklappbarer Wettlauf: Einer von uns ist der Jäger, der andere das Vögelchen. Und an die Adresse des Vögelchen sind dann die folgenden (Karten)-Wünsche gerichtet: Vögelchen a) sei still und zärtlich, b) laß mich Deine weichen Federchen streicheln, c) schließe Deine Äugelchen und rechne mit dem Schlimmsten, d) liebkose den Jäger, der Dich so huldreich verschont, e) laß uns ein köstliches Schnäpslein trinken, f) reich mir Dein rotes Schnäbelchen!