Mit dem Erbe von NSU – der K 70 wurde in Neckarsulm erdacht und entwickelt – will Kurt Lotz nun die Scharte auswetzen. Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Wankelauto Ro 80 haben die Schwaben ein modern konzipiertes Auto auf die Räder gestellt, das vor allem mit einem lange gepflegten Wolfsburger Tabu bricht: Es hat einen 1,6-Liter-Motor mit Wasserkühlung (statt Luftkühlung) und Frontantrieb (statt Heckantrieb).

In dem in Salzgitter innerhalb von neun Monaten aus der Erde gestampften neuen VW-Werk sollen künftig pro Tag 500 Autos dieses Typs produziert werden, rund 130 000 Stück also im nächsten Jahr. Das bringt harte Konkurrenz auf dem Markt der Autos in der Preisklasse zwischen 8000 und 10 000 Mark, auf dem die beiden amerikanischen Satellitenfirmen Ford und Opel bisher tonangebend waren und im ersten Dreivierteljahr 1970 rund eine Viertelmillion Autos in der Bundesrepublik verkauften.

Mit insgesamt rund 400 000 Zulassungen in den ersten neun Monaten bildet diese Preisklasse etwa ein Viertel des deutschen Automobilmarktes. Der VW-Konzern hatte daran bisher nur einen Anteil von knapp 15 Prozent, und das auch nur dank der Tochter Audi NSU.

Mit dem K 70 soll sich das im nächsten Jahr ändern. Auf den schärfsten Konkurrenten stößt der Neue aus Wolfsburg allerdings im eigenen Hause: Auf den Audi 100, mit 140 Mark mehr kaum teurer und technisch von ähnlicher Konzeption. Heinz Michaels