Der Staat soll nicht mehr als das Lebenswichtige finanzieren. In einem Gespräch mit der ZEIT entwickelte Franz Josef Strauß sein wirtschaftspolitisches Programm

DIE ZEIT: Ihnen wird nachgesagt, Sie wünschten eine Zusammenlegung der bisherigen Bundesministerien für Finanzen und Wirtschaft. Was bezwecken Sie mit einer solchen Zusammenlegung, die auf ein neues Superministerium in Bonn hinauslaufen würde?

Strauß: Ich habe niemals eine Zusammenlegung der Bundesministerien für Wirtschaft und Finanzen in ihrer derzeitigen Form gutgeheißen. Das ist mir lediglich von anderen in den Mund gelegt und dauernd wiederholt worden. Aber ich fein der Meinung, daß im Rahmen der Zuständigkeit der Bundesregierung die Kompetenz für Geld, Kredit, Währung und Konjunktur beim Bundesministerium der Finanzen und nicht beim Bundeswirtschaftsministerium liegen sollte. So waren die Zuständigkeiten bis 1953. So ist das auch in den meisten großen Industrieländern des; Westens.

DIE ZEIT: Versprechen Sie sich davon eine bessere Konjunkturpolitik?

Strauß: Wenn man das Stabilitätsgesetz ansieht, dann stammen die Mittel der Konjunkturbeeinflussung, sei es Dämpfung, sei es Anregung, fast ausnahmslos aus dem Bereich des Finanzministeriums. Das gilt für Steuererhöhungen, Steuersenkungen, Aussetzung der degressiven Abschreibung, staatliche Investitionsprogramme, genannt Konjunkturhaushalte.

DIE ZEIT: Welche Teile des Bundeswirtschaftsministeriums sollten als eigenes Ressort weitergeführt werden?

Strauß: Das Bundeswirtschaftsministerium müßte unter diesem oder einem anderen Namen erhalten bleiben: für regionale Struktur- und Handelspolitik, für Preis- und Wettbewerbspolitik und möglicherweise auch für den industriellen Besitz des Bundes.