Syrien hat einen neuen Staatschef. Verteidigungsminister Hafes al Assad übernahm in einem unblueigen Militärputsch – dem 21. Staatsstreich in Syrien seit 1949 – im Wochenende die Macht. Assads stärkster Gegenspieler, der stellvertretende Generalsekretär der regierenden Baath-Partei, Panzergeneral Salah Dschadid, wurde ebenso wie der bisherige Präsident Atassi verhaftet.

Mit dem Putsch kam Assad seiner Entlassung aus allen Ämtern zuvor, die der seit zwei Wochen in Damaskus tagende Kongreß der Baath-Partei beschlossen hatte. Der Kongreß sollte die Krise beilegen, die im – September ausgebrochen war, als Assad, Chef der Luftwaffe, den in den jordanischen Bürgerkrieg eingreifenden Panzern General Dschadids die Luftunterstützung verweigerte. Assad fürchtete ein Eingreifen Israels für den Fall syrischer Luftangriffe auf Jordanien. Seine Weigerung erzwang den Rückzug der Panzer.

Der neue Staatschef gilt als Mann einer sowjetischen Orientierung, der – im Gegensatz zur Haltung der bisherigen syrischen Regierung – für eine Zusammenarbeit mit Ägypten und für die UN-Friedensgespräche eintritt. Politisch bedeutungsvoll ist Assads Putsch auch angesichts der Konföderationspläne Ägyptens, Libyens und des Sudan.