Berlin

Fliegen Sie gern? – Wir suchen Studenten für Aushilfstätigkeiten in Berlin und Westdeutschland", so lautete eine größere Anzeige in der Wochenendausgabe einer Berliner Tageszeitung.

Student A., mittleres Semester, fliegt gern. Zumal für Geld, das ihm immer fehlt. Er tippt noch am gleichen Tag ein kurzes Bewerbungsschreiben und sendet es unter der angegebenen Chiffre an die Zeitung.

Drei Wochen später – er hatte den Job inzwischen schon abgeschrieben – erhält er ein Telegramm, in dem ihm für die Bewerbung gedankt und zugleich mitgeteilt wird, daß ein Herr H. ihn im Laufe der kommenden Woche besuchen werde. Über die Art der Aushilfstätigkeit schweigt sich das Telegramm aus.

Einige Tage darauf klingelt Herr H. am frühen Morgen an der Tür. Er bedauert, so früh zu kommen, sei aber bereits mehrmals zu anderen Zeiten vergeblich hier gewesen. Student A. fragt sich zwar einen Augenblick, warum Herr H. dann nicht eine Nachricht hinterlassen habe, vergißt diesen Gedanken aber wieder. Er möchte vor allem wissen, um was für einen Job es sich handelt. Herr H. bedauert. Genaues könne er auch nicht sagen, er sei nur ein kleines Rädchen innerhalb der Personalberatungsfirma Sch. Irgendwie gehe es jedoch um eine Aushilfe als Reisebegleiter oder um Pkw-Überführungen von Berlin nach Westdeutschland und umgekehrt. Nachdem, er noch die Personalien notierte – Fremdsprachen: Englisch mäßig, Französisch ganz gut, weder Spanisch noch Italienisch –, schlägt Herr H. eine völlig unverbindliche Besprechung mit seinem Chef Sch. vor. Sch. residiere gerade in einem Hamburger Hotel, um dort die Bewerber aus Norddeutschland und Berlin zu empfangen. Unkosten würden A. nicht entstehen, ein Flugticket werde sofort besorgt.

Student A., angenehm überrascht von der Großzügigkeit der Firma Sch., ist jetzt erst recht an dem angedeuteten Traumjob ("Jet-Trip an die Costa Brava?") interessiert. Einige Stunden später bringt ihm Herr H. das Flugticket und ein vorgedrucktes Papier, dem der Treffpunkt in Hamburg zu entnehmen ist.

Student A. ist pünktlich im Hamburger Hotel. Dort erwartet ihn allerdings nicht Herr Sch., sondern eine Frau L. Sie unterhalten sich zunächst über das Studium, dann über die bisherigen Ferienjobs, die A. schon gemacht hat. Man spricht über Auslandsreisen und Erfahrungen ("Nein, im Ostblock war ich noch nicht, nur einmal kurz mit der Abiturklasse in Ostberlin."); man plaudert über Paris und Wien, kommt beiläufig auch auf die große Politik und landet schließlich bei dem eigentlichen Thema: dem Job. Frau L. besinnt sich kurz und meint, bedauerlicherweise könne A. kein Spanisch. Spanien sei aber nun mal der vorgesehene Einsatzort für die Flugreisen. Diese Sache falle leider weg, es blieben daher nur die Pkw-Überführungen übrig.