Gerhard Stoltenbergs Assistent, Horst Lässing, hatte mit seiner Prognose im letzten "Report aus Bonn", ein weiterer FDP-Abgeordneter werde zur Opposition überlaufen, alles andere, als Glück. Die Mitteilung am vergangenen Freitag, Karl Geldner sei zur CDU übergetreten (Lässing: "Den habe ich eigentlich nicht gemeint"), wurde zu der bisher größten Blamage für die CDU/CSU. Geldner war zum Schein auf alle politischen und materiellen Angebote – Mandatszusicherung und 400 000 Mark Beratungshonorar – der Abwerber eingegangen, um endlich schriftliche Beweise für die Methode der politischen Abwerbung in die Hand zu bekommen.

Auf recht ungewöhnliche Weise kamen sich Unternehmensvertreter und Gewerkschaftler näher. Katalysator war die Bundeswehr und der dazugehörige "Gleichmacher" – die Uniform. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Albert Schnez, hatte eingeladen, Generalleutnant Hubert Sonneck, Chef des Heeresamtes, hatte die Betreuung der gemischten Truppen übernommen, die vierzehn Tage lang wehrübte. 41 Zivilisten in der Zahl, im Dienstgrad vom Leutnant aufwärts bis zum Oberst. Vertreten war die Industrie durch Direktoren und Abteilungsleiter von Daimler-Benz, MAN, Rheinmetall. Bekanntester Industrieteilnehmer war Dr. Josef Mennen, Majcr, Vorstandsmitglied bei Rheinmetall; auf Seiten der Gewerkschaft quer durch alle Einzelgewerkschaften Bezirksleiter und Abteilungsleiter. Sprecher der Gesamtgruppe war Theo Brinkmann, Bundesvorstandssekretär des DGB.

Als Zweck der Übung ließ Verteidigungsminister Helmut Schmidt verlauten: "Mensch und Technik im Heer hautnah kennenzulernen" Rheinmetall vorstand Mennen: "Eine ausgezeichnete Sache, auch das Zusammenwirken mit den Gewerkschaftlern. Zunächst war es etwas problematisch, dann haben wir uns aber erheblich zusammengefunden." Beim Biertisch witzelte man darüber, daß die Industriebosse beim Übungsschießen schlechter abgeschnitten hatten als die Gewerkschaftler. Brinkmann ironisch: "Das sind unsere kommenden Tarifvertrags-Unterhändler"

Kummer hat Kurt Schmücker wegen seiner Tätigkeit für den"Agri-Fund". Er teilt das Schicksal aller Politiker von Rang, die nach der "erzwungenen" Abdankung privat tätig wurden. Ex-Kanzler Ludwig Erhard scheiterte bei Bauer-International, geriet dann ins Schußfeld wegen seiner Arbeit bei "Argenta", Ex-Vizekanzler Erich Mende stieg bei IOS ein, nach dem Scheitern wieder aus. Jetzt ist er beim Herold. Über Ex-Wirtschaftsminister Schmücker wird schon gewitzelt: "Ein neuer Mann für eine neue Pleite." Davon abgesehen gab es auch handfeste Vorwürfe in der Fraktion. "Ich arbeite nicht für eine Investmentgesellschaft, sondern führe Verhandlungen für die Gründung einer Kapitalbeteiligungs-Gesellschaft", rechtfertigte sich der Ex-Minister.

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Verärgert reagierte der SPD-Abgeordnete Harry Tallert über die unmöglichen Zustände an seinem Urlaubsort Gala Llonga auf Ibiza. Tallert schrieb daher dem spanischen Tourismus-Minister Alfredo Sanchez Bella einen Beschwerdebrief: "Was ich dort vorfand, hat mich entsetzt ... die Verpflegung war zu 50 Prozent kaum genießbar ... der Schwimming-pool teilweise verdreckt... in unmittelbarer Umgebung des Hotels befanden sich zahlreiche Abfallhaufen – die Frühstücksbrötchen wurden wie in Deutschland die Kohlen auf einem offenen Lastwagen durch den Straßenstaub transportiert."

Die verantwortlichen Eigentümer von Tallerts Urlaubsresidenz sind ausgerechnet der Bürgermeister von Ibiza, die Bank von Ibiza und der Bezirkskontrolleur von Scharnow. Es geht doch nichts über einen guten Kontrolleur.