Das heulende Elend

Herrlich lackiert sind die Trambahn wagen des städtischen Fuhrparks. In der Türkei grassiert die Cholera. Nach 10 Stunden Wartezeit kommt ja vorläufig einer und tut ganz so, als wolle er mich mitnehmen. Bisher soll die Krankheit 80 Menschenleben gefordert haben. Schnaps ist gut für Cholera. Gleich unter dem Stadtverordneten Lack sitzt der Rost, frißt sich noch ein Stückchen weiter und sagt ICH KOMME DURCH. Vor mir frißt ein moribunder Vogel eine tote Fliege (genauer beschreiben).

Dies ist die öde Tageszeit, die man Vormittag nennt, dessen Unerträglichkeit nur vom Morgen, vom Nachmittag und dem Abend übertroffen wird. Von der Nacht überhaupt nicht zu reden. Der zynische Sonnenschein möchte mal wieder das schäbige Leben mit heiterem Weiß tünchen. Der kanadische Arbeitsminister ist nun doch erschossen worden. In der Stadt will ich ein Buch kaufen. Das als Trambahn getarnte Massenverkehrsmittel ist von einer widerlichen Leere. Die Sitzplätze, auf denen schon Millionen von städtisch transportierten Verschwitzten gelümmelt haben, sind frei. Die Leiche lag im Kofferraum eines Autos. Es geht vorbei an den trostlosen Fassaden des Wiederaufbaus. Hinter einer ist wieder einmal so ein Wasserrohrbruch, der die billigen Kaufhausmöbel versaut. Die vom Zählen unsauberen Finger der menstruierenden Schaffnerin geben mir mieses, abgegriffenes Kleingeld zurück. Ihren Urlaub hat sie schon hinter sich. Die Trambahn füllt sich mit transpirierenden Präletalen. Langsam füllt sich meine Harnblase. Gestern gab es auch zuviel Alkohol. Morgen wird, es ja genauso sein. Ein pickeliger Halbwüchsiger pfeift fast fröhlich GET BACK und bietet einem Alten, dem man schon vor Jahren den Appendix herausgesäbelt hat, mit geheuchelter Freundlichkeit seinen Platz an (Beschreibung der Pickel). Dabei grinst er ekelhaft, weil er den anderen dessen Alter hat fühlen lassen. Man soll das Alter ehren. Dieser setzt sich mit einem traurigen Gesicht. Er muß gleich wieder aussteigen. Das Syndrom, unter dem er leidet, heißt Leben. Der Halbwüchsige hat immer noch keine Freundin. Beim Fahrer steht ein flotter Magenkrebs und fragt nach dem Autofriedhof. Der Fahrer ist zwar soziologisch weiterhin verheiratet, kotzt aber immer noch nicht, sondern sagt, NICHT MIT DEM FAHRER SPRECHEN. Meine Peristaltik macht mir Kopfzerbrechen. Die Liebe geht durch den Magen. Der Ministerpräsident zeigte sich bestürzt. Die Verkäuferin zeigt die gespielte Fröhlichkeit von jemandem, der Bescheid weiß. Geschiedene erstickt aufgefunden. Hund beißt Mann. Ihr Atem riecht unnatürlich, da sie sich am Morgen die Zähne mit Zahnpasta eingeschmiert hat, hätte sie es nicht getan, röche sie nach Mensch, also schlecht. Sie klettert die undefinierbare, Stabilität vortäuschende Leiter hinauf. In ihrem saublöden Eileiter wandert nichts nach oben. Es zeigt sich von salzhaltigem Blut eingeweichtes Fleisch, umhüllt von einem lederartigen Gewebe, welches immerfort tote Zellen abstößt, Beine, hm! Sie kommen aus einem zu bunten und von einer greulichen Hygiene fast aseptisch gemachten buchhändlerischen Rock hervor. Wem nützt der? Bisher sind nach amtlichen Angaben in Kanada 286 Verdächtige verhaftet worden. Während eine Ladung Darminhalt ihrem Schließmuskel zugeschoben wird, legt sie mir das Buch vor. Sie hat ja vermutlich auch schon eine Ausschabung hinter sich (ausmalen). Und überhaupt: sie hat es in sich. Ihr Ring erniedrigt sie zu einem standesamtlich Aktenkundigen. Niemand stellt den sich zersetzenden Kohlenstoff Verbindungen, die einmal ein Foetus waren, Blumen hin. Nachdem sie, die sich für vergnügt hält, mich eingewickelt hat, fragt sie, ob sie das Buch einpacken soll. Das Kabinett hat beschlossen, vor dem Begräbnis keine offizielle Stellungnahme abzugeben. Ich spalte inzwischen Aminosäuren auf und frage nach dem Preis. NEUNZEHN MARK ACHTZIG. Ihr Lächeln wirkt ja überhaupt einfach so wie ein allzu durchsichtig kalkulierter Ladenpreis.