In die schläfrige Mittagsstille tönten drei nüchterne Schläge an ein Tor, ganz oben, am Ende der Gasse. Kurz darauf erschien am Guckfenster eine alte Frau, die mit entzündeten Augen in das blendende, weißglühende Sonnenlicht blinzelte.

"Wer ist da?"

"Ich bin’s, Gevatterin Sebastiana", stammelte Florinda. Dabei spähte sie ängstlich links und rechts über die Schulter.

"Komm rein, Mädel, bleib nicht da draußen in der Höllenglut!"

Durch das Halbdunkel des ärmlichen Häuschens, wo die Ziegel des unverschalten Daches über den angedunkelten Balken sichtbar waren, zog der süßliche Duft der reifen Birnen, die auf Strohmatten auf dem Fußboden ausgelegt waren. Durch die winzige Luke – einem Nest für Fliegen und Spinnweben – floß wie durch ein Sieb blasses Licht, das sanft an der Vorderwand des Geschirrschrankes versickerte.

"Setz dich doch", sagte die Alte, auf einen Strohstuhl weisend.

"Setzt ihr euch, ich kann gern stehen, danke." Beim ersten Blick schon hatte Sebastiana erraten, warum das Mädchen gekommen war. Sehr klug war sie nicht, aber die Erfahrung all der Jahre hatte sie schlau gemacht; so etwas durchschaute sie gleich. Außerdem, die Röte, mit der Florinda plötzlich übergössen war, wie sie langsam und verwirrt die Augen niederschlug – das waren untrügliche Zeichen. Sie saß in irgendeiner Klemme. Worüber die Alte sich unbändig freute: allein zu Haus, der Sohn weit weg auf der Werft am Mondego, und sie – nicht einmal eine Näherei hatte sie, mit der sie sich die Zeit vertreiben konnte. Das blöde Mädchen kam ihr gerade recht.