Die Ehe wird kündbar! – das ist ein Alarmruf, vorn auf dem Bilderblatt, neben dem baren Busen. Werden die Frauen die Dummen sein? Der Mann, der so fragt, in der Zeitung, weiß schon die Antwort: Sie sind es, wenn dieses Scheidungsrecht durchkommt.

Unfair zu Muttchen – ein anderer Titel. Wir heißen zwar nicht so gern Muttchen; aber wir nicken dazu. Wenn der Ernährer freigelassen wird, vom Staat, möchten wir keineswegs in fremde Kuchen umziehen. So hatten wir nie gewettet. Nie.

Im Ernst: die Panik ist begreiflich. Der alte Ehevertrag, den die Reformer zu zerreißen wünschen, sorgt für die äußere wie die innere Existenzgrundlage von Millionen Frauen. Nur daß dieser Vertrag – seit langem und bisher unangefochten – reinen Irrsinn birgt.

Denn was besagt er? Was hat er bisher besagt? Für eine Frau ungefähr dies:

Wenn ich, möglichst, solange ich hübsch bin, einen Ehemann gewinne, der etwas besitzt und darstellt oder doch (da muß man dann den rechten Blick haben) verspricht, jemand zu werden, kann mir überhaupt nichts mehr passieren. Jedenfalls nichts, falls ich einige Vorschriften beachte. Ich darf den Mann nicht betrügen, und wenn ich ihn doch betrüge, darf ich mich dabei nicht kriegen lassen. Ich darf nicht zu arg schimpfen und auch keinen Gattenmord versuchen; aber dies und anderes, was ich auch nicht darf, vermeidet man ja feinerweise sowieso. Der Haushalt muß halbwegs in Ordnung sein, den Kindern, falls ich welche habe, steht ein Mindestmaß an Wachsamkeit und Pflege zu. Wenn ich keine der nicht unbilligen Vorschriften verletze und mein Mann trotzdem nicht bleiben will, dann mag er zahlen, bis er schwarz wird.

Und was sagte, auch wenn er’s nicht sagte, der heiratende Mann? Er sagte: Ich liebe diese Frau so wild, ich bin so scharf auf sie, derart entzückt von ihr, daß ich mich freiwillig verpflichte, ihren Lebensunterhalt auf immer zu bestreiten, falls das geht, auch noch nach meinem Tod.

Eine Wahnsinnstat, wenn man’s nur recht bedenkt! Doch der Wahnsinn war nicht bloß gebräuchlich, er war fast schon vorgeschrieben. Man mußte heiraten, auch Männer mußten es, um nicht Verdacht zu wecken. Und die Frauen mußten es erst recht: Die Wahnsinnstat des Mannes, die vom Staat gebilligte, geregelte, war die entscheidende Bestätigung der Frau. Wer niemals einen Mann soweit gebracht hatte, dem fehlte ein Gütezeichen, das nichts anderes ersetzen konnte – keine noch so glückliche, noch so beständige Liaison, kein Weltruhm und keine Büromacht. Geschiedene Frauen standen – nach dem ersten Schreck vor fünfzig, sechzig Jahren – noch immer sehr viel stolzer da als richtige Junggesellinnen. Denn die Geschiedenen waren eben doch einmal der Wahnsinnstat für wert befunden worden.