Wo läßt sich auf dem internationalen Parkett in nächster Zeit mehr verdienen, in den USA oder in Frankreich? Der Europa-Fonds (Union Investment) hat seinen Anteil an französischen Aktien bis zum 30. September von 1,5 (im Vorjahr) auf 9,8 Prozent aufgestockt. Erstmals befindet sich ein französisches Unternehmen – Le Nickel – unter den zehn größten Posten im Europafonds.

Nach unserer Tabelle haben fast alle darin verzeichneten französischen Aktien einen Kursgewinn erwirtschaften können. Trotz noch nicht überwundener inflationärer Erscheinungen ist die französische Regierung dabei, ihren Restriktionskurs zu mildern. Die französische Wirtschaft hat die Folgen der Mai-Unruhen von 1968 überwunden und verfügt über eine gute Startbasis für ein expansives Exportgeschäft. Anlagemanager behaupten, daß das internationale Kapital viel zu sehr auf Wall Street sieht und dabei die Chancen der Pariser Börse nicht erkennt. Sollte sich das ändern, ist mit einer begrenzten Hausse in französischen Aktien zu rechnen, zumal in einigen Papieren erstaunlich niedrige Kurs/Gewinn-Verhältnisse bestehen:

Mit der Zinssenkung in den USA und der bevorstehenden Beilegung des Streiks bei General Motors haben sich die Chancen für ein besseres Börsenklima in Wall Street erhöht. Wenn die Aufwärtsbewegung zur Zeit stockt, so ist dies nicht zuletzt eine Folge der enttäuschenden Gewinnentwicklung bei einigen Unternehmen. Der Wiederaufschwung der Kurse hat sich dadurch um ein Vierteljahr verschoben, meinen tröstend die Optimisten. Ob man die "Verzögerung" so einfach erklären kann, muß bezweifelt werden. Die Nixon-Regierung hat bei ihrer Konjunkturankurbelung keine Eile. Erst in zwei Jahren, so ist erklärt worden, will sie die Arbeitslosenquote unter 4 Prozent gebracht haben. Heute liegt sie über 5 Prozent. Jedes zu forsche Vorgehen, daran muß man immer denken, bringt den ohnehin labilen Dollar in Gefahr. Schließlich müssen die USA in diesem Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 20 Milliarden Dollar fertig werden.

Daß Banken das Währungsrisiko durchaus ernst nehmen, beweist der Hinweis in einem Aktien-Brief der Westbank in Hamburg-Altona: "Da weiterhin die Möglichkeit einer Paritätsänderung zugunsten der Deutschen Mark besteht, empfiehlt sich die Absicherung des Dollar-Engagements durch den Dollar-Verlauf auf Termin. Die Kosten für den Zeitraum bis zu 6 Monaten sind zur Zeit niedrig!"

Das japanische Engagement ist weiterhin mit vielen Fragezeichen zu versehen. Die Tokioter Börse hat noch immer nicht zu einer klaren Linie zurückgefunden. Die Gewinne mancher Gesellschaften, besonders der Elektroindustrie, sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

K. W.