Von Ben Witter

Das exklusive Haus der Zukunft ist in München die komfortable Eigentumswohnung", prophezeite ein Makler, "im Herzogpark entstehen die teuersten. Immer mehr Villen mit acht und zehn Zimmern, so zwischen vierzig und siebzig Jahre alt, kommen unter die Spitzhacke. Nur die Quadratmeter zählen. Falls eine hohe Nutzungsziffer genehmigt ist, wird das ein großes Geschäft für Verkäufer und Bauträger. Münchens Villenbesitzer haben endlich kaufmännisch denken gelernt."

Ich blickte durch einen geflochtenen Zaun in der Pienzenauerstraße im Herzogpark. Der ungekachelte Swimming-pool ist in die rechte Gartenhälfte gequetscht worden. Im Verhältnis zur Größe der Villa wirkt er wie eine versenkte Badewanne. Die Badewannen in der Villa hat man schon vor dem Ersten Weltkrieg installiert Würde der Eigentümer verkaufen, könnte er vierhundert Mark pro Quadratmeter erzielen. Das Grundstück ist nicht größer als eintausend Quadratmeter.

Am Fenster einer anderen Villa lehnte eine Statue. Ihr Profil wurde von einem Staubtuch verdeckt. Ein Zipfel hing über der Kinnspitze. Lange genug hatte ich in den verwilderten Garten gestarrt. In einem Auto saß ein Mann und beobachtete mich. Dann bewegte sich im ersten Stock der Villa eine Gardine.

Ecke Poschingerstraße stand ein Neubau mit Eigentumswohnungen. Den massiven Klotz schmückte an der Stirnseite des Flachdaches ein wannenförmiger Aufsatz, etwa zwei Meter breit und achtzig Zentimeter tief. Ich konnte nicht erkennen, ob dahinter noch ein Garten war.

Ein Mandoline spielender Knabe, auf einem Bären reitend, beide in Stein gehauen, behütete die Eingangstür einer Villa. Im Garten war kein Swimming-pool. Ich stellte mich unter das Kupferdach eines Treppenaufganges. Die gelben Außenwände waren weiß abgesetzt. Handwerker schoben mich beiseite. Ich erfuhr, daß sie neue Badewannen geliefert hatten, die aber so ähnlich aussahen wie alte.

Ein Bungalow: Vom Balkon führte eine Treppe in den Swimming-pool.