Dieser wichtige Beitrag zur Geschichte des Kirchenkampfes ist freilich in theologischen und ideologischen Fragen etwas schwach. Bedauerlicherweise ist die von Conway übernommene Bewertung, des Kreisauer Kreises mitsamt einigen Unrichtigkeiten in der deutschen Ausgabe nicht, mehr korrigiert worden.

Eine Lücke in der Geschichtsschreibung füllt

Armin Boyens’: "Kirchenkampf und Ökumene 1933–1939. Darstellung und Dokumentation"; Chr. Kaiser Verlag, München 1969; 486 S. (mit Dokumenten), geh. 32,–DM, Ln. 36,– DM.

Der Verfasser, dessen Arbeit von der Stiftung Volkswagenwerk finanziert wurde, war mehrere Jahre Exekutivsekretär in der Genfer Zentrale des ökumenischen Rates der Kirchen – und ist heute als Studiensekretär in Frankfurt tätig. Er untersucht das Verhältnis von Ökumene und Kirchenkampf, der – nach den Worten Bonhoeffers – die zweite große Etappe der ökumenischen Bewegung gewesen ist. Das Buch erzählt von Scheidung und Sammlung (Scheidung innerhalb der Ökumene und innerhalb der Bekennenden Kirche, aber auch zwischen beiden). Daneben wuchs aber das Bewußtsein der Gemeinsamkeit.

Die Judenfrage brachte als erste die Scheidung ans Licht. Im Gegensatz zur Bekennenden Kirche protestierte die Ökumene nicht erst, als der sogenannte Arierparagraph in die Kirche eingeführt wurde, sondern bereits, als der Staat die Juden zu verfolgen begann. 1933 war es die Stockholmer Bewegung, die sich als einzige ökumenische Organisation der Judenfrage angenommen hat.. Dabei wurde die Ökumene auf das Schweigen der deutschen Christenheit aufmerksam. Mehrere Proteste aus der Ökumene verfehlten nicht ihre Wirkung, besonders dank der unermüdlichen Tätigkeit und der Diplomatie Bischof Bells.

Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer stellten die Ökumene vor die Entscheidung zwischen wahrer und falscher Kirche. Während jedoch die Stockholmer Bewegung unter Bischof Bell in Fano Vertreter der Bekennenden Kirche als Ratsmitglieder kooptierte, erkannte die Lausanner Bewegung die regimetreue Reichskirche an.

Stark gefördert von der Entwicklung in Deutschland, entspann sich in der Ökumene eine Diskussion über das Verhältnis von Kirche und Staat, und über den "totalen Staat". Ihren Höhepunkt erreichte diese Auseinandersetzung auf der Oxforder Weltkonferenz. Ausführlich erörtert Boyens hier und an anderen Stellen die Aktivitäten des "obrigkeitsgläubigen" Reichskirchlichen Außenamts.