Das erste Auftreten der rechtsradikalen "Aktion Widerstand" in der Würzburger Frankenhalle zieht Kreise. Bei der von der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands unter Adolf von Thadden aufgezogenen "Großkundgebung" des "deutschen Gewissens" gegen Bonns Ostpolitik war nicht nur ein Transparent mit einem Galgen für Brandt gezeigt worden. Bei dem anschließenden Demonstrationsmarsch durch die Stadt, der verboten war, erschollen auch diese Haßrufe: "Willy Brandt an die Wand – Hängt die Verräter – Deutschland wird nicht verschenkt, eher wird Willy Brandt gehenkt – Seit Moskau wissen wir’s genau: Brandt ist die Verrätersau."

Nach dem Würzburger Spektakel und den Mordparolen wurden Stimmen laut, die im Wiederholungsfall ein Eingreifen der Polizei forderten. Das mußte Thadden, der ohnehin um die Zukunft seiner Verliererpartei bangt, zu denken geben. So schrieb er, eine Woche nach dem Würzburger Rechtsauftrieb, "ein Wort zur Sache" in den von ihm herausgegebenen Deutschen Nachrichten (DN): "....werden jedoch Parolen, wie sie in Würzburgs Straßen erschollen, weder gerechtfertigt noch verbessert. Es geht nicht darum, jemanden ‚aufzuhängen‘; es geht darum, mit unendlich viel Mühe eine Bevölkerung aufzuklären, die tatsächlich glaubt, die Bonner Ostpolitik löste die deutschen Probleme und bringe Deutschland den Frieden.

Diese innenpolitische Aufklärung wird erschwert oder sogar auch in ihr Gegenteil verkehrt, wenn durch derartige Parolen zwar niemand ‚gehenkt‘ wird, aber den Gegnern billige Aufhänger geliefert werden, die eine sehr ernste Sache ins Gegenteil verkehren." So stand es auf, Seite 13.

Vorne, auf der ersten Seite, las man’s anders. Dort ereiferte sich der NPD-Pressechef Hans-Joachim Richard spaltenlang über die "hysterische Reaktion" auf das Würzburger Hetz-Happening.

Und was wirklich geschah, sieht Thaddens Vertrauter Richard so: "Kein Wort von ‚Mordhetze‘, kein Fackelzug, keine ,Ausschreitungen‘..., keine Gewalt, kein Terror. Dagegen Staatsbejahung, Verfassungstreue, Gesetzlichkeit, Nationalhymne, Vaterlandsliebe, Volkstreue und Schwarz-Rot-Gold, von jungen Deutschen getragen..."

Das ist, verglichen mit dem, was wirklich in Würzburg geschah, pure Verballhornung. So werden Dumme gemacht, mit – einem Unschuldslächeln, das zur Grimasse wird. Richard, der Saubermann der NPD!

In einem an den Leitartikel angehängten "Apropos" meint der Pressechef noch leutselig: "Da sollen laut Presse ein paar jugendliche Heißsporne – was allerdings nicht verbürgt ist – auch gerufen haben: ‚Deutsches Land wird nicht verschenkt, eher wird der Brandt gehenkt.‘...Sollte es so gewesen sein, so wäre es scharf zu verurteilen ... Natürlich muß die Brandt-Regierung weg, möglichst mit Freifahrkarte. Am besten in Richtung Norwegen."