Von Max E. Ammann

New York, im November

Deutschlands Springreiter konnten von ihrer vierten Amerikatournee seit Kriegsende wahrhaft brillante Resultate nach Hause melden. Im CHIO in Harrisburg, der ersten Veranstaltung des sogenannten Fall Circuit, gewann das Quartett Hans Günter Winkler, Hartwig Steenken, Lutz Merkel und Gert Wiltfang sechs der insgesamt acht Einzelprüfungen und wurde überdies überlegener Sieger im Nationenpreis. Winkler war der führende Reiter in Harrisburg mit 30 Punkten vor Wiltfang (26) sowie Merkel und Steenken mit je 20. Erst dahinter kamen die Amerikaner, angeführt von Olympiasieger Bill Steinkraus, die kanadischen Olympioniken, die irischen Offiziere und die vier Mexikaner.

Im CHIO in Washington, der zweiten Hallenveranstaltung, war Hartwig Steenken der herausragende Reiter. Zweimal gelang ihm ein Doppelsieg, so daß er in der abschließenden Punktwertung um die blaue Schärpe des besten Reiters klar mit 40 Punkten siegte. Zweiter in Washington wurde der junge Amerikaner Homfeld mit 14 vor Winkler mit 11 Punkten. In Washington starteten die Amateurreiter zusammen mit den besten amerikanischen Profis in den gleichen Prüfungen. Von diesen war vor allem der rothaarige Rodney Jenkins ein scharfer Gegner für die Deutschen.

In der wichtigsten Konkurrenz des CHIO in Washington, im Springen um den Präsidenten-Cup, schnappte Jenkins auf dem erst sechsjährigen Idle Dice gar den reputierten Amateuren den Sieg weg. Es war der erste Sieg eines Berufsreiters im Präsidenten-Cup, den John F. Kennedy 1961 gestiftet hat. Hermann Schridde auf Ilona hatte auf der letzten Amerikatournee der deutschen Springreiter den begehrten Pokal gewinnen können. In diesem Jahr reichte es hinter Jenkins nur zu einem zweiten Platz für Hartwig Steenken auf Simona. Auch im Großen Preis von Harrisburg war der 29jährige Deutsche ebenfalls zweiter geworden, dort hinter der Kanadierin Barbara Simpson auf Australis.

Das dritte Hallenturnier des Fall Circuit und ohne Zweifel das wichtigste ist die National Horse Show in New Yorks Madison Square Garden, in Europa als CHIO New York bekannt. Das achttägige Turnier ergab erneut deutsche Siege in den Punktewertungen um die Schärpe des besten Reiters und der erfolgreichsten Nationalequipe. Zu diesem Erfolg trugen sieben Siege in den zehn Einzelprüfungen bei sowie ein erneuter Sieg im Nationenpreis. Dieser fiel knapper aus als in Harrisburg, da die Amerikaner bis zum zweiten Reiter im zweiten Umlauf noch gleichauf lagen.

Der diesjährige Nationenpreis-Sieg war der vierte, den Deutschlands Reiter in New York erringen konnten. In den Jahren 1928 und 1930 hatten von Hermann von Nagel geführte Offiziers-Equipen gewonnen und 1958 das Goldmedaillentrio Winkler, Thiedemann und Alfons Lütke Westhues. Diesmal schafften es, wie auch in Harrisburg, Winkler auf Torphy, Steenken auf Simona, Wiltfang auf Goldika und Merkel auf Sir.