Von Ludwig Thamm

In den sozialistischen Staaten des Ostens ist es nicht anders wie überall in der Welt: die Preise steigen und der Verbraucher hat das Nachsehen. Spektakulärstes Beispiel der jüngsten Zeit ist Jugoslawien, jenes Land also, das mit seinem eigenen Weg schneller zum Kommunismus kommen will als die orthodoxen Marxisten, zu einer Gesellschaft also, in der jeder nach seinen Bedürfnissen aus einem Überfluß an materiellen Gütern versorgt werden soll.

In Jugoslawien hatten die Preissteigerungen ein derartiges Ausmaß angenommen, daß die Regierung den Unmut der Bevölkerung mit einem Preisstopp besänftigen mußte. Immerhin war im Oktober ein Rekord erzielt worden. Die Lebenshaltungskosten hatten sich um 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat erhöht. Das war der höchste Steigerungssatz innerhalb der letzten zehn Jahre. Hinzu kommen noch die zwölf Prozent, um die sich die Lebenshaltungskosten in den ersten neun Monaten dieses Jahres verteuert haben.

Subventionen sind keine Lösung

Aber die Preise sind auch im übrigen Osteuropa im Gerede, beim Mann auf der Straße ebenso wie unter Funktionären und Wirtschaftlern. Rumänien beispielsweise hat eine ausgedehnte Diskussion über Großhandelspreise hinter sich, die ausgiebig in den Spalten des Bukarester Wirtschaftsblattes "Viatá Economica" behandelt wurde. Sinn der Debatte war, ein Preissystem zu finden, das den ökonomischen Gegebenheiten mehr Rechnung trägt, ohne die Prinzipien einer sozialistischen Wirtschaftsordnung zu verletzen.

Derartige Debatten hat man in Polen, in der UdSSR, in Ungarn, in der DDR schon vor Jahren geführt. In der Sowjetunion war damit ein entscheidender Umbau der Großhandelspreise in der Industrie verbunden. Das Preisgefüge wurde zwischen den Jahren 1966 und 1969 verändert. Mit wenigen Ausnahmen hieß das: Preisanhebungen, in manchen Fällen bis zu 130 Prozent, wie beispielsweise beim Erdöl, weil man Forschungs- und Erschließungskosten erstmals auf den Abgabepreis umrechnete. Strom wurde teurer, für die Industrie, nicht für Haushalte und Landwirtschaft. Heute gibt es in Ostsibirien die niedrigsten Stromtarife, während sie nach Westen zu ansteigen.

Die Folge dieser Verteuerung der Energiekosten: Der Maschinenbau erhöhte seine Preise, die Chemie, die Bauwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie, die Metallindustrie. Was eine solche Preisreform bedeutet, wird aus einer Zahl klar: Allein im Bereich der Metallindustrie muß der Staat die Preise für 30 000 Positionen festliegen.