Deutsche Ärzte wissen, was in deutschen Krankenhäusern wichtig ist: Erstklassigkeit und nicht. Klassenlosigkeit. So verkündete es in der vergangenen Woche der Marburger Bund – die "Gewerkschaft" der beamteten Krankenhausärzte und der Krankenhausangestellten. In anderer Hinsicht aber ist der Bund fortschrittlich. Die Chefarzt-Hierarchie soll verschwinden und durch Ärztekollegien und Ärztestäbe ersetzt werden, die sich selbst ihre Vorsitzenden wählen. Dieser Forderung wird, darauf kann sich der Bund verlassen, von der Mehrheit der Mitglieder applaudiert – bei einer anderen Anregung ist das wohl nicht so sicher: Ein Krankenhausverzeichnis wurde gefordert, das auch Angaben über die einzelnen Fachärzte und ihre Weiterbildung enthalten soll. Das wird nicht jedem Kollegen schmecken, wenn die Öffentlichkeit schwarz auf weiß bekommen soll, wie aktuell es um seine fachliche Qualifikation steht. Das Verzeichnis soll alle zwei Jahre erscheinen.

Zwei Behörden haben Zahlen über die deutsche Bildung veröffentlicht, die nicht recht zusammenpassen. Das Statistische Bundesamt meldete eine erfreulich hohe Zunahme der Zahl der Abiturienten, während die Zentrale Registrierstelle der Universitäten klarmachte, daß viele dieser Abiturienten nicht die geringste Chance haben, das zu werden, was sie gern wollen: Von 19 681 Abiturienten, die sich um einen Studienplatz für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie, Psychologie oder Architektur bewarben, wurden 64 Prozent abgewiesen. Am schlechtesten steht es bei den Zahnmedizinern – es wurden 85 Prozent der Bewerber mangels Studienplatz abgewiesen (Pharmazie: 77; Medizin: 73; Psychologie: 52; Tiermedizin: 51 und Architektur: 48 Prozent). Die Abiturientenzahlen des Statistischen Bundesamtes: 1969 lag der Anteil der Personen, die eine Hochschulreife erwarben, in ihrer Altersklasse bei 9,5 Prozent – das heißt, in absehbarer Zeit werden zehn Prozent aller Bundesbürger das Abitur oder einen vergleichbaren Schulabschluß haben. Bleibe im Lande, und nähre dich redlich ist für eine Reihe deutscher Arbeitnehmer ein dummer Spruch: Im Ausland verdienen sie mehr. Das sagten sich auch die rund 200 Montagearbeiter, die für ihre Firmen nach Togliatti in der Sowjetunion gingen, um deutsche Maschinen im größten Pkw-Werk Rußlands zu montieren. Vertretern der deutschen Botschaft in Moskau, die jetzt ihren Landsleuten in Togliatti einen ersten Besuch abstatten durften; berichteten die deutschen Gastarbeiter von ihrem Unglück: Die Lebensbedingungen seien einfach zu hart, und ihre Arbeitgeber hätten sie völlig unvorbereitet an die Wolga geschickt. So scheiterten die unglücklichen Deutschen, als sie einen Charterflug für eine Weihnachtsreise nach Deutschland organisieren wollten: In Rußland wird auch Weihnachten gearbeitet, und in ihren Arbeitsverträgen steht nichts von freien Tagen zur Jahreswende.