Auf den ersten Blick hat sich bei den Bremsen unserer Automobile der Fortschritt mit Siebenmeilenstiefeln ausgebreitet. Scheibenbremsen sind selbst bei kleineren Wagen selbstverständlich, fast alle Autos haben ein als ausfallsicher geltendes Zweikreis-Bremssystem, manche sogar Warnleuchten für den Fall, daß einmal etwas nicht in Ordnung ist.

Doch trotz vielversprechender Ansätze geschieht immer noch zuwenig. Viele Autohersteller nützen die Möglichkeiten, die die heutige Bremsentechnik bietet, nicht aus. Dabei bereiten sich die Bremsenhersteller schon auf die rundum vollkommene Bremsanlage vor, bei der Räder nicht mehr blockieren können. Doch bleiben wir zunächst bei der herkömmlichen Bremse. Beim Auto verwendet man

  • die Trommel- oder Innenbackenbremse
  • und neuerdings die Scheibenbremse.

In der Trommelbremse werden die Bremsbacken mit ihrem aufgenieteten oder aufgeklebten Belag gegen die innere Stirnseite der Trommeln gepreßt. Die Scheibenbremse ähnelt der Felgenbremse am Fahrrad: Die Bremsbacken sitzen auf einer Zange, die sie seitlich gegen die Bremsscheibe drückt.

Scheibenbremsen arbeiten gleichmäßiger, der Wagen läuft nicht aus der Spur. Sie sind besser gekühlt und damit leistungsfähiger. Auch bei mehrfachem Abbremsen aus sehr hohen Geschwindigkeiten lassen sie in der Wirkung nicht nach. Scheibenbremsen sind damit besonders bei schweren und schnellen Fahrzeugen ein Fortschritt; bei kleineren Wagen genügen sie an den höher belasteten Vorderrädern. Ja, es ist überhaupt die Frage, ob bei kleinen und leichten Fahrzeugen dem Käufer mit der Scheibenbremse so sehr gedient ist:

  • Scheibenbremsen fehlt die Trommelbremsen eigene "Selbstverstärkung", sie verlangen einen wesentlich höheren Pedaldruck.
  • Ihn könnte man mit einem Servogerät auffangen, das bei billigeren Wagen jedoch oft der Kalkulation zum Opfer fällt.
  • Die kleinen Scheibenbremsbeläge nutzen sich viel schneller ab als die wesentlich größeren Beläge der Trommelbremsen.

Scheibenbremsen stellen sich selbst nach, der Fahrer merkt den Verschleiß der Beläge nicht am zunehmenden Leerweg des Bremspedals. Scheibenbremsbeläge müssen daher bei jeder Inspektion genau geprüft werden. Hier aber hapert es: Zur Prüfung müssen die Räder abgenommen werden. Davor drücken sich die Werkstätten gerade bei den verbreiteten Massenfahrzeugen mit ihren meist vorgeschriebenen Wartungspreisen. Wenige tausend Kilometer nach den (immer weiter auseinandergezogenen) Inspektionen können die Beläge "herunter" sein – der Wagen bremst kaum noch, die teuren Bremsscheiben werden beschädigt.