L. W., Bremen

Die 110 Bewohner des Alten- und Pflegeheims in Bremens vornehmer Marcusallee können aufatmen. Im Rechtsstreit zwischen Heim und Anliegern (ZEIT vom 9. Oktober 1970 "Nichts für feine Bremer") hat das Oberverwaltungsgericht zugunsten des Heimes entschieden. Die Antwort für die klagenden Anlieger und ihren Anwalt Kulenkampff fiel eindeutig aus. Von einer Störung, die einige Villenbesitzer in ihrer "für den gehobensten Bedarf zugeschnittenen Gegend" durch ihre alten Nachbarn befürchteten, kann, so stellt das Gericht fest, keine Rede sein. Die Marcusallee mit ihren Vorzügen (Rhododendronpark und Stadtnähe zugleich) ist laut Oberverwaltungsgericht ein guter Standort für ein Altenheim; der fertige Bau trage dem Charakter der Marcusallee ausreichend Rechnung; eine Störung durch erhöhten Kraftfahrzeugverkehr lasse sich nicht annehmen.

Mit diesem Urteil, gegen das keine Revision zugelassen wurde, ist die Gefahr endgültig gebannt, daß das Heim der gemeinnützigen Bremer Heimstiftung abgerissen werden muß.

Die Bremer CDU, offensichtlich peinlich berührt von der Tatsache, daß ihr Mitglied Kulenkampff – er stolperte als Landesvize und Abgeordneter über den Baulandskandal von 1969 – als Anwalt die Kläger vertrat, entschloß sich zwei Tage nach dem Spruch zu einer Demonstration: Nahezu geschlossen marschierte die CDU-Fraktion in die Marcusallee, stellte sich vor das Heim und ließ sich photographieren. "Mit dieser Geste", hieß es, "wollen wir zeigen, wie sehr wir uns über den Bau von Gemeinschaftseinrichtungen freuen."