Deutschlands Rechte formiert sich nicht nur in allerhand Aktionen und Freundeskreisen, sie hat jetzt einen neuen Verlag gegründet. Der nennt sich "Zeitbuch-Verlag", ansässig in Westberlin, und ist seit kurzem mit zwei Büchern auf dem Markt: William Schlamms gesammelte Kolumnen aus der Welt am Sonntag. (1965 bis 1970) und Gespräche des Schweizers Henri de Catt mit Friedrich dem Großen. Demnächst erwartet uns "Immer wenn Russen und Deutsche sich die Hände gaben" von Willi Kollo.

Kollo ist auch der Verlagsleiter. Über ihn erfahren wir, daß er 66 Jahre zählt, 1970 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse am Band erhielt, als frühreifes Dichtergenie galt, dem "die Presse" nachrühmte: "Ein Jüngling im Gewand eines Weltweisen!" Kollo dazu: "Ganz gefangen von der seltenen Erscheinung eines so jugendlichen und begabten Dichters." Später schuf der Poet "Komödien, Lustspiele, Filme und Lieder",

Man erfährt dergleichen aus dem von Kollo übersetzten und herausgegebenen Band "Der Krieg geht morgen weiter. Oder die Kunst zu überleben. Der König von Preußen unterhält sich in seinen Hauptquartieren, zwischen Triumph und Niederlagen, mit dem Schweizer Henri de Catt", unter welch umständlichen Titel de Catts Gespräche angeboten werden (592 S., 29,80 DM). Nun ist Willi Kollo laut eigenem Geständnis ein begabter Dichter, der sich mit dem Übersetzten nicht zufriedengeben mochte. So lieferte er "eine selbständige schriftstellerische Arbeit". Der Dichter hat de Catt nachgeholfen, ihm gezeigt, wie man einen solchen Stoff aufbereiten muß. Den muß man heute nämlich nachleben (denn "der Tod ist total"), nachdichten, "sozusagen durch Direktbeatmung". Oder durch angewandte Mythologie: "Man muß schon ein wenig Zeus gleichen, aus dem eigenen Haupt einen neuen Friedrich entspringen lassen, wie weiland Pallas Athene."

Es gibt eben noch Dichter in Berlin. Wie Willi Kollo. Und Dichter – man weiß es – wandeln in Sphären, fern irdischer Unbill, wozu bei einigen auch Metapher und Satzbau gehören, wie das Exempel zeigt. Aber wer aus seinem Haupt gleich einen ganzen Preußenkönig entspringen läßt, darf den kühnen Gedanken nicht scheuen. Er ersetzt uns Wirklichkeit.

Warum sollte uns Willi Kollo auch etwas über Henri de Catt erzählen? Wen interessiert das, wen kümmert schon, wie de Catt mit dem König bekannt wurde, was er für Aufgaben hatte, wie überhaupt die Gespräche zustande kamen?

Und dann die hohe Intuition: Laut Kollo erschien der tränenreiche "Werther" mitten im Siebenjährigen Krieg, weil nämlich der König und sein Eckermann auch gelegentlich weinten. Wer wird da um lumpige Jahre feilschen?

"Unsere Intelligenzler" haben den Großen König eh nicht begriffen. Was wären sie aber ohne ihn? Nichts. Denn: "Friedrichs eigentliche und hoch befreiende Tat für die deutschen Autoren bestand nicht darin, daß er sie las oder nicht las. Sie bestand darin, daß er seinen Stern über Deutschland hatte aufgehen lassen ..."