Von Mario Szenessy

Slawomir Mrozek gehört glücklicherweise nicht zu den Schriftstellern, bei deren Werken man, um über sie überhaupt etwas sagen zu können, gleich eine neue Ästhetik fabrizieren muß. Die Absichten seiner Aussagen sind satirischer Natur; dies und der Wille, daß seine Satiren auch verstanden werden, zwingt ihn geradezu, die historisch gegebenen Grenzen der literarischen Verständlichkeit zu respektieren. Sein Ziel besteht nicht darin, diese Grenzen zu sprengen, sondern allmählich zu erweitern.

Dabei erzählt er über unsere Welt, über die zunehmende Unbewohnbarkeit unseres Planeten und die absurden Zwänge unseres Alltags dasselbe, was andere nur unter Verwendung eines spektakulären Hokuspokus sagen zu können glauben. Sein neuester Band –

Slawomir Mrozek: "Was uns trägt", drei Erzählungen, aus dem Polnischen von Ludwig Zimmerer; Henssel-Verlag, Berlin; 173 S., 16,– DM

hat zudem den Vorzug, daß man die ersten zwei Geschichten erst gar nicht zu lesen braucht. Die erste, "Monisa Clavier" betitelt, ist eine Story, wie sie jeder aus dem Osten in den Westen kommende Emigrant unter dem ersten Eindruck hiesiger Verhältnisse geschrieben hat; die zweite ist bereits ein Anpassungsversuch an die hierzulande üblichen – oder üblich gewesenen – literarischen Bräuche. Der diesbezügliche Satz des Klappentextes ist sehr aufschlußreich: "Es klappert die Mühle... verkehrt mit der bitteren Ironie dessen, der ohne Bleibe ist, das Mühlrad, dieses alte romantische Wander- und Lebenssymbol, in sein Gegenteil; es gerät ins Stocken, da. dem Verbannten die einstigen Lebensgefährten, die geliebte Frau und schließlich er selber als Tote zurückgebracht werden."

Die dritte, titelgebende Erzählung des Bandes hingegen entschädigt den Leser für alle Trivialitäten und Banalitäten der ersten zwei. Sie ist wie aus einem Guß, sie enthält keinen überflüssigen Satz, und es ist auch kein Satz denkbar, der ihr noch hinzugefügt werden könnte.

Allerdings kriegt man es auch hier bei den ersten Seiten mit der Angst: Da wird einer auf einem Kanapee in der Gegend herumgetragen und schließlich abgesetzt. Seine Kleidung ist in Ordnung, bis auf die Schuhe, die ihm fehlen. Er liegt und wartet darauf, daß die Träger wiederkommen; sie tun es aber nicht. Der Mensch ist ausgesetzt, preisgegeben den Unbilden des Lebens. Soll hier also die Absurdität des Daseins versinnbildlicht werden? Keineswegs.