Von Iring Fetscher

Am 28. November 1820 wurde dem Barmer Textilfabrikanten Engels ein Sohn geboren, der auf den Namen Friedrich getauft wurde. Damit ging die Unternehmerfamilie Engels in die vierte Generation. Der begabte Junge wuchs in einem frommen, aber nicht eng-pietistischen Hause auf. Literatur sprach ihn an, aber auch religiöse Themen tauchen in den Jugendgedichten auf. Nach dem Einjährigen wird er nach Bremen geschickt, um in einem befreundeten Handelshause zu volontieren. Hier beginnt er zu publizieren. Im Stile des "jungen Deutschland" zunächst.

Seine beachtlichen "Briefe aus Wuppertal" schildern lebendig das ökonomische, religiöse und kulturelle Leben seiner Heimat: die Not der Handwerker und Arbeiter, Alkoholmißbrauch und sektiererische Frömmigkeit.

In Berlin, wo Engels sein Militärjahr abdient, hört er Vorlesungen und schließt sich der linkshegelianischen "Partei" an, die gegen Schillings Spätphilosophie und die wachsende Reaktion polemisiert. Engels beteiligt sich mit mehreren Publikationen an diesem Kampf. Im "Doktorklub" lernt er auch den jungen Marx kennen, ohne sich ihm bereits näher anzuschließen.

Vermutlich gibt ein erster längerer Englandaufenthalt den Anstoß für Engels’ Übergang vom bürgerlich-demokratischen zum sozialistischen Standpunkt. Das Ergebnis der 1842/43 unternommenen Reise erscheint 1845 unter dem Titel "Die Lage der arbeitenden Klasse in England".

Auf Grund eignen Augenscheins und vieler Publikationen gibt Engels hier einen Überblick über die Lebensverhältnisse der englischen Arbeiter in der Frühphase des Kapitalismus. Von England aus schreibt er erste Korrespondenzen für die von Marx in Köln herausgegebene "Rheinische Zeitung". Sein Eindruck ist, "daß eine Revolution (in England) auf friedlichem Weg eine Unmöglichkeit ist und daß nur eine gewaltsame Umwälzung der bestehenden unnatürlichen Verhältnisse... die materielle Lage des Proletariats verbessern kann".

Für die entscheidende Wende in Engels’ Leben, die zum Anschluß an die revolutionäre sozialistische Bewegung führt, müssen moralische Motive ausschlaggebend gewesen sein. Darüber zu sprechen hielt er nicht für angebracht, vermutlich weil sie sich – bei seiner großzügigen und anteilnehmenden Natur – von selbst verstanden.